Haselhorst

Kriegsschäden und Wiederaufbau

Relikt aus der Nazizeit
Relikt aus der Nazizeit

Obwohl die Nationalsozialisten das “Neue Bauen” und die Wohnungspolitik der Weimarer Republik bekämpften, wurde die Reichsforschungssiedlung von der Gewobag weitgehend wie geplant fertig gestellt. Allerdings mussten mehrere am Bau der Reichsforschungssiedlung beteiligte Architekten Deutschland nach 1933 verlassen, darunter Fred Forbát, Alexander Klein und Alfred Gellhorn wegen ihrer jüdischen Herkunft. Bauhausgründer Walter Gropius emigrierte unter politischem Druck in die USA. Seine Vision von Wohnhochhäusern konnte er ab 1962 im Süden Berlins verwirklichen, in der nach dem Architekten benannten Gropiusstadt.

Gleichschaltung und Kriegsvorbereitungen

Die Reichsforschungssiedlung wurde ab 1933 von den Nationalsozialisten vereinnahmt, mit Hakenkreuzfahnen, Wandgemälden sowie einem “Denkmal der nationalen Erhebung” dekoriert. Die Gewobag als Eigentümer war politisch gleichgeschaltet, so wie andere Wohnungsunternehmen auch. Bereits im Sommer 1933 begannen die Kriegvorbereitungen mit der Planung von Luftschutzräumen und Luftschutzübungen in Haselhorst. Während des Zweiten Weltkriegs waren die umliegenden Rüstungsbetriebe wiederholt Ziel von Luftangriffen. Bei Kriegsende war daher rund ein Drittel der Wohnungen in der Siedlung Haselhorst zerstört oder unbewohnbar.

Weiterbauen nach dem Zweiten Weltkrieg

Nachkriegsbau am Gorgasring
Nachkriegsbau am Gorgasring

Bis 1954 beseitigte die Gewobag sorgfältig sämtliche Kriegsschäden, so dass davon heute nichts mehr zu sehen ist. Der Architekt Felix Hedinger, der die Wiederaufbaupläne leitete, war bereits 1930 am Bau der ersten Wohnungen in Haselhorst beteiligt gewesen. Zwischen 1954 und 1961 baute die Gewobag südlich der Gartenfelder Straße eine weitere Ladenzeile zur Versorgung der Reichsforschungssiedlung und erweiterte sie um die “Wohnsiedlung am Faucherweg” und “Haselhorst-Süd”. Das Siedlungskonzept der Weimarer Republik wurde dabei weiterverfolgt, so dass sich Vorkriegs- und Nachkriegsbebauung harmonisch ergänzen konnten. Seit 1995 steht die ehemalige Reichsforschungssiedlung unter Denkmalschutz.