Haselhorst

Moderne Architektur

Gartenfelder Straße 122
Gartenfelder Straße 122

Das Erscheinungsbild der Reichsforschungssiedlung folgt Leitideen des „Neuen Bauens“ zwischen den Weltkriegen. Die Architektursprache sollte sich aus der sozialen Zweckbestimmung ergeben. Haselhorst war als Siedlung für Bewohner mit kleinem und mittlerem Einkommen angelegt. Vereinfachung, Rationalisierung, Typisierung und das Bauen in hohen Stückzahlen waren Strategien, um möglichst rasch viele bezahlbare Wohnungen errichten zu können.


Licht, Luft und Sonne

Als wirtschaftlichste Lösung galt damals eine Bebauung mit drei- bis viergeschossigen Häuserzeilen. Um möglichst viel Licht, Luft und Sonne in die Wohnungen zu lassen, wurde die traditionelle Blockrandbebauung aufgegeben. Die Zeilen wurden zunächst konsequent in Nord-Süd-Richtung angeordnet, im Laufe des Planungsprozesses wich man jedoch davon ab, um Monotonie zu vermeiden. Die beauftragten Architekten betonten die Zusammengehörigkeit der Siedlung durch den Einsatz von einheitlich weißen Putzfassaden, Flachdächern und Balkonen mit Sichtmauerwerk. Trotz dieser Einheitlichkeit hat jeder Baublock seinen unverwechselbaren Charakter.

Einfachheit und Raffinesse

Burscheider Weg 14h
Burscheider Weg 14h

Man findet in der Siedlung insgesamt 20 Typen von Treppenhäusern, Hauseingänge mit 21 verschiedenen Türformen, Balkone und Loggien in insgesamt 13 Varianten sowie über 30 unterschiedliche Formen von Fenstern. In den Häusern wurden Dutzende Grundrissvarianten für Kleinwohnungen ausprobiert. An einigen Stellen entstanden Laubenganghäuser, die als kostengünstig galten, weil so eine größere Zahl von Wohnungen durch ein einziges Treppenhaus erschlossen werden konnte. Gebaut wurde die Reichsforschungssiedlung überwiegend in traditioneller Ziegelbauweise mit Holzbalkendecken, zu Vergleichszwecken entstanden auch einige Stahlskelett- und Stahlbetongebäude.

Zwischen den Wohnzeilen blieb viel Raum für große Rasenflächen, Blumenrabatten und Bäume sowie für Funktionsplätze mit Sandkästen, Teppichklopfanlagen und Müllhäuschen. Ladengeschäfte am Haselhorster Damm, ein Kino und eine neue Schule an der Daumstraße gehörten von Anfang an zum städtebaulichen Konzept der Siedlung; auf Wunsch der Mieter kam ein Zentralwaschhaus an der Kanalstraße 2-4 dazu. Die ersten Wohnungen waren im August 1931 bezugsfertig, bei der offiziellen Fertigstellung im Juli 1935 umfasste die Siedlung 3.448 Wohnungen mit rund 12.000 Bewohnern und 37 Läden.