Bernauer Straße 138 A in Berlin-Tegel

Besondere Verantwortung
2015 kam etwa eine Million Flüchtlinge nach Deutschland, 80.000 wurden vom Land Berlin aufgenommen. In den ersten Monaten standen für die Unterbringung nur Notlösungen wie Turnhallen oder leer stehende Verwaltungsgebäude zur Verfügung. Es musste dringend eine Lösung für besser geeignete Unterkünfte gefunden werden. Die Gewobag handelte als landeseigene Wohnungsbaugesellschaft schnell. Auf einem eigenen Grundstück in Tegel-Süd wurde der Bau eines neungeschossigen Wohngebäudes für 224 Menschen beschlossen. Eine Errichtung in modularer Bauweise ermöglichte die Fertigstellung in nur sieben Monaten. Nach dem Ende der Nutzung für die Unterbringung von Flüchtlingen ist eine Umgestaltung zum Wohnhaus geplant, das dann in den Bestand der Gewobag übergeht.

Innenansichten Multifunktionsunterkunft Bernauer Straße 138 A
Innenansichten Multifunktionsunterkunft Bernauer Straße 138 A

Das Projekt
Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, sind in einer besonderen Situation. Sie haben Wochen, manchmal Monate einer gefährlichen und anstrengenden Flucht hinter sich. Sie mussten ihre Heimat verlassen, haben Krieg und Vertreibung erlitten und sind deshalb oft traumatisiert. Dieser besonderen Situation entspricht das Konzept des Gebäudes. Zimmer, Gebäude und Außenraum sind so konzipiert, dass einerseits die Privatsphäre gewahrt ist und andererseits eine fachliche Betreuung möglich ist. Im Erdgeschoss befinden sich Räume der Heimleitung sowie gemeinschaftlich genutzte Räume. Die acht Obergeschosse sind gleich gegliedert, hier gibt es jeweils zwölf Zweibettzimmer, vier Einbettzimmer und eine Gemeinschaftsküche. Die Erschließung der Obergeschosse erfolgt über ein Treppenhaus mit Personenaufzug. Darüber hinaus unterliegt das Gebäude allen Richtlinien für Wohngebäude, der energetische Standard entspricht der EnEV 2016. Das nahe gelegene Blockheizkraftwerk Bottroper Weg liefert
Heizwärme und günstigen Quartier-Strom.

Modulare Bauweise
Der Zeitraum, der normalerweise benötigt wird, um in Berlin ein Wohngebäude zu planen und zu errichten, umfasst im Moment ca. 24 Monate. Deshalb wurde hier eine Bauweise mit vorgefertigten Modulen gewählt. Auf eine Unterkellerung verzichtete man. Die einzelnen Module wurden vorgefertigt angeliefert und auf der Fundamentplatte montiert. Nur so war der kurze Bauzeitraum von lediglich 7 Monaten möglich.

Außenanlage
Der besonderen Situation von Flüchtlingen entspricht auch die Gestaltung des Außenraumes. Denn viele der Menschen verbringen in der ersten Zeit den ganzen Tag in der Unterkunft. Für Kinder wurde ein Spielplatz angelegt. Es gibt einen Boule-Platz und mehrere große Bereiche mit Bänken und Tischen. Alle anderen Flächen wurden begrünt und es entstanden auch Stellplätze für 40 Fahrräder. Das Gebäude ist von der Bernauer Straße aus zugänglich. Den Zugang kontrolliert ein Pförtner.

Lage im Stadtteil
Das Grundstück liegt südlich der Tegeler Altstadt. Die Wohngebäude von Tegel-Süd enden hier, das Ufer des Tegeler Sees ist in Sichtweite. Die Wohnlage ist ruhig und grün. Besonders wichtig für die Bewohner ist eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Wenige Meter vom Eingang entfernt halten die Buslinien 133 und X33 mit Anbindung an die U-Bahn-Linien U6 und U7. Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sind ebenfalls nur wenige Minuten entfernt am Emstaler Platz vorhanden. Hier gibt es außerdem verschiedene Arztpraxen und eine Physiotherapiepraxis.