Die gebaute Rhinstraße
8. Juni 2021

Von Balkontrends und guter Nachbarschaft

Die Pandemie hat bewiesen, wie wichtig frische Luft, persönlicher Freiraum und nachbarschaftliches Miteinander sind. Balkone, Loggien und gemeinschaftliche Außenflächen haben Hochkonjunktur. Kann man von einem langfristigen Trend im Wohnungsneubau sprechen? Ein Interview mit Lukas Burkhardt, der bei „Stark + Stilb Architekten“ als Projektleiter für das Gewobag-Neubauprojekt in der Lichtenberger Rhinstraße verantwortlich ist.


Herr Burkhardt, im Mai 2021 war in der Rhinstaße Richtfest von 317 neuen Wohnungen, die alle einen Balkon haben werden. Gibt es einen Balkontrend beim Wohnungsbau?

Lukas Burkhardt: Der Trend geht mit Sicherheit dahin. Balkone werden von den Bauherren immer mehr gewünscht. Sie steigern die Wohnqualität und so ziemlich jeder Bewohner wünscht sich einen Balkon. Aber auch bei den älteren Bestandsgebäuden kann man sehen, dass Balkone nachträglich angebracht werden. Auch die Balkone hier im Gewobag-Bestand der Rhinstraße wurden nachträglich angebracht.

Könnte der Ausblick in den Himmel ein Grundrecht werden?

Lukas Burkhardt: Das ist eine schöne Idee, aber leider nicht überall realisierbar.

Und warum ist es in der Rhinstraße realisierbar?

Lukas Burkhardt: Die Balkone sind ein Wunsch der Gewobag als Bauherrin und auch Bestandteil der Gewobag-Standards, in denen aufgeführt ist, dass möglichst jede Wohnung einen Balkon haben soll. So haben hier alle Wohnungen einen Balkon, im Erdgeschoss Terrassen und in den Eckwohnungen auch Loggien.

Lukas Burkhardt schaut in die Ferne.
Lukas Burkhardt, Projektleiter von „Stark + Stilb Architekten“, auf der Baustelle in der Rhinstraße, wo 317 neue Wohnungen entstehen.

Da kann man fast von einem zusätzlichen Zimmer sprechen, oder?

Lukas Burkhardt: Wir haben bei dem Neubauprojekt Rhinstraße zu 50 Prozent geförderten Wohnungsbau. Die Balkonfläche beträgt fünf Quadratmeter und entspricht damit der förderfähigen Maximalgröße. Von einem Zimmer würde ich da noch nicht sprechen, aber im Sommer ist es natürlich schön, einen Balkon, einen zusätzlichen Aufenthaltsbereich zu haben.

Ist hier Nachbarschaft von Balkon zu Balkon möglich?

Lukas Burkhardt: Neben den Familienwohnungen, die hier entstehen, haben wir auch viele Einraumwohnungen, sodass die Balkone zum Teil relativ dicht beieinanderliegen. Da geht ein Gespräch von Balkon zu Balkon schon gut. Aber wenn man nachbarschaftliche Interaktion möchte, bieten sich hier besonders die gestalteten Außenanlagen an.

Die Rhinstraße im Bau.  In den Neubau werden Balkone integriert.
Achtgeschosser: In der Rhinstraße wird Neubau in den Bestand integriert. Die Bestandswohnungen verfügen über Balkone mit Blick auf die neu entstehenden Hofflächen.

Was bieten denn die Außenanlagen?

Lukas Burkhardt: Vor allem viele neue Grünflächen mit Begegnungs- und Erholungsmöglichkeiten. Auch die Bestandsgrünflächen werden aufgewertet mit Ruhebereichen, Bänken und Tischkombinationen. Bewegungsmöglichkeiten entstehen, ein Tischtennisplatz, ein Basketballfeld und ein Bewegungsparcours werden zur Verfügung stehen. In Abstimmung mit der Landschaftsarchitektin konnten wir Teilflächen der sonst ungenutzten Feuerwehrzufahrt als Rollerbahn einplanen, eine Art Slalomparcours für Roller- und Skateboardfahrer. Und natürlich die großen Spielplatzbereiche, die für verschiedene Altersgruppen unterteilt sind. Pro Wohneinheit müssen gemäß Berliner Bauordnung mindestens vier Quadratmeter Kinderspielplatz nachgewiesen werden. Und wichtig: Die Außenflächen sind natürlich komplett verkehrsfrei und bieten so den Bewohnern eine hohe Aufenthaltsqualität.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Johannes Schneeweiß / Rendering Infobox © Stark + Stilb


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