Flyer zur Baumpatenschaft an einem Baum.
30. Juni 2020

Baumpatenschaften: Wasser für Straßenbäume

Frank Wiewiorra, Polizeibeamter im Spandauer Abschnitt 23, ist Initiator des Pilotprojekts „Ein Herz für Straßenbäume“. Durch die Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Spandau, ansässigem Quartiersmanagement und der Gewobag stehen seit Mai fünf Wassertanks und Gießkannen in der Staakener Obstallee bereit, um die dortigen Bäume vor der sommerlichen Trockenheit zu schützen.


Wenn viele an einem Strang ziehen – kann gegossen werden:

Die Idee von Frank Wiewiorra, die zu Baumpatenschaften führte, war einfach und gut, die Initialzündung dafür eher ungewöhnlich. Bei einem Polizeieinsatz vor einem Jahr fiel ihm auf, dass die dortigen Demonstranten große Tanks zur Wasserversorgung dabei hatten. So kam eins und eins zusammen. Schon seit dem letzten heißen Sommer hatte der Polizeibeamte nach einer Lösung gesucht, wie man die Bäume in seinem Kiez vor der Trockenheit bewahren könnte.  

So begann er für sein Vorhaben MitstreiterInnen zu gewinnen. Er wandte sich dabei an Stefan Pasch vom Straßen- und Grünflächenamt im Bezirksamt Spandau. Dieses hat daraufhin die Finanzierung der fünf benötigten Wassertanks mit einem Volumen von je 1000 Litern übernommen. Seitdem sorgen sie dafür, dass diese zweimal wöchentlich mit Havel-Wasser gefüllt werden. Von dem Projekt überzeugt, stellte das Bezirksamt Spandau gleich fünf weitere Wassertanks in der Neustadt auf.

Wassertank mit Flyer zu Baumpatenschaften und zwei Personen daneben.
Frank Wiewiorra und Viola Scholz-Thies vor einem der fünf Wassertanks in der Obstallee.

Zunächst als Versuch geplant, bot sich die Obstallee im Quartier Heerstraße Nord als Pilotprojekt an. Entscheidenden Anteil daran, dass die Bäume der Obstallee an heißen Tagen mit Wasser versorgt werden können, haben auch die MitstreiterInnen des Quartiersmanagements Heerstraße Nord. Allen voran Viola Scholz-Thies. Durch die Förderungen konnte sie einen Teil der Finanzierung übernehmen und Logistik, Flyer und Baumpatenschaften vor Ort organisieren. Die Gewobag sorgte für die Aufstellflächen der Wassertanks. Mit den KiezkoordinatorInnen sorgt die Gewobag außerdem dafür, dass die AnwohnerInnen mit Hausaushängen und Flyern in fünf Sprachen über das Projekt informiert wurden.

Im Mai dieses Jahres konnte es dann losgehen. An den Wassertanks sind Gießpläne befestigt und Gießkannen stehen in verschiedenen Größen und Farben bereit.

Zwei grüne und eine blaue Gießkanne.
Gießkannen für Groß und Klein, Alt und Jung.

Ob Gießen oder Baumpatenschaften – die Idee kommt an

Eine Anwohnerin, die vorbeiläuft, nutzt die Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und erzählt, wie super sie die Aktion findet. Früher war sie mit zwei Kanistern die Treppen runtergelaufen, um die Bäume vor ihrem Haus zu gießen. Und so meint auch Viola Scholz-Thies vom Quartiersmanagement, dass die Aktion sehr gut angenommen wird. Davon zeugen auch die gemalten Bilder von Kindern, die an den Tanks kleben.

Auf die Frage, ob denn auch regelmäßig gegossen wird, sagt sie, dass richtige Baumpatenschaften übernommen worden sind. Dabei sind zwei Kitas, die mit den Kindern regelmäßig gießen gehen, und ein SeniorInnenheim, welches die Patenschaft für drei Bäume hat. Das wäre zudem auch toll für die SeniorInnen, die oftmals nicht gern ohne ein Ziel oder eine Aufgabe rausgehen würden. Sie fügt hinzu, dass auch immer wieder inspiziert werden muss, ob noch alle Gießkannen oder Karabinerhaken da sind. Ab und an würden diese wegkommen.

Die Wassertanks sind ein idealer Treffpunkt

Frank Wiewiorra wünscht sich, dass noch mehr AnwohnerInnen die Initiative ergreifen und mitgießen. Er könnte sich vorstellen, dass die Wassertanks zu einer Art Treffpunkt werden. Die Leute könnten dann einfach mal runterkommen und über das Bäume-Gießen, miteinander ins Gespräch kommen. Er hat aber auch einen ganz pragmatischen Wunsch: dass die Bäume am Ende der Allee nicht vergessen werden und die Leute ein paar Schritte mehr laufen.

„Vielleicht sollte man an jeden Tank wirklich noch zwei Strandstühle stellen, sodass man sich nach getaner Arbeit ausruhen oder einfach so treffen kann“, findet Viola Scholz-Thies. Sie wünscht sich zudem, dass sich das Projekt ausweitet und dass es nächstes Jahr weitergehen kann. Zum Abschluss fasst sie zusammen: „Also die Gegend hier ist besser als ihr Ruf. Wir haben hier wahnsinnig viele engagierte Leute, die mitmachen, die anpacken wollen. Die Träger hier sind super vernetzt. Also zusammen geht hier eine ganze Menge.“

Frank Wiewiorra und Viola Scholz-Thies mit Gießkannen in der Hand.
„Der Kiez hier ist ein sozialer Brennpunkt mit einem aufregenden sozialen Milieu, in dem es mir wahnsinnig viel Spaß macht, als Polizist tätig zu sein“, so Frank Wiewiorra. Rechts: Viola Scholz-Thies vom Quartiermanagement.


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