Gertruden Apotheke

Besuch bei …
der ältesten Apotheke in Steglitz-Zehlendorf

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Hochbetrieb in der Gertruden-Apotheke: Während das Berliner Stadtbild zu Beginn des Jahres 2021 von Leere geprägt ist, halten Norbert Bartetzko und sein Team die Stellung. Denn Apotheken sind auch im Lockdown geöffnet. KundInnen werden hier weiterhin mit Medikamenten versorgt und professionell beraten. Im Interview spricht der Apotheker und Gewobag-Gewerbemieter über seine Arbeit in dieser Krisenzeit.


Herr Bartetzko, schon seit fast 35 Jahren üben Sie den Beruf des Apothekers aus. Wie kam es dazu?  

Norbert Bartetzko: Das liegt bei uns in der Familie. Mein Großvater übernahm die Gertruden-Apotheke im Jahr 1923. Von seinen fünf Kindern wurden drei ebenfalls ApothekerInnen ­–­ dazu gehörte auch mein Vater. Das war bei mir zu Hause sehr prägend.

… und Sie setzten dann direkt die Familientradition fort?

Norbert Bartetzko: Als junger Mann wollte ich erst etwas anderes machen und absolvierte eine Ausbildung zum Buchhändler. Es zeigte sich aber schnell, dass dies nicht der richtige Weg für mich war. Mit 25 Jahren entschied ich mich dann für das Pharmaziestudium.

Gertruden Apotheke
Die Gertruden-Apotheke ist schon in der dritten Generation im Familienbesitz der Bartetzkos.

Heute sind Sie Inhaber der ältesten Apotheke in Steglitz-Zehlendorf.

Norbert Bartetzko: Das stimmt. Die Gertruden-Apotheke wurde im Jahr 1887 gegründet und ist damit ein Betrieb mit Tradition. Zwar geben wir heute zum Großteil maschinell hergestellte Medikamente aus, wir stellen aber auch individuelle Medikamente traditionell her. Dazu gehören zum Beispiel Salben, Tinkturen oder Augentropfen. Eine oder einer unseres zehnköpfigen Teams steht eigentlich immer an der Rezeptur.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Norbert Bartetzko: Mir gefällt es am meisten, bei meiner Arbeit mit Menschen in Kontakt zu treten und ihnen zu helfen. Hierbei bringe ich mein naturwissenschaftliches Wissen ein. Und eine kaufmännische Ader habe ich auch. Für mich ist das genau die richtige Mischung.

Wie ist die Beziehung zu Ihren StammkundInnen?

Norbert Bartetzko: Täglich stehe ich vorne am Verkaufstisch – und das seit mehreren Jahrzehnten. Dadurch kennt man mich hier im Kiez und ich werde oft erkannt, wenn ich auf den Straßen unterwegs bin. Meine Kundinnen und Kunden haben ein großes Vertrauen zu mir, was für meine Arbeit sehr wichtig ist.

Was bewegt Ihre KundInnen in der aktuellen Situation?

Norbert Bartetzko: Die Corona-Pandemie. Sie kennen diese oft nur aus der Zeitung oder dem Fernsehen und wollen wissen, wie sie damit umgehen sollen und ob sie sich impfen lassen sollten oder nicht. Da ist eine professionelle Beratung notwendig. Und ja, ich würde sofort zur Impfung gehen. Unsere Kundinnen und Kunden vertrauen auf unseren Rat.

Ihre Apotheke bleibt auch im Lockdown geöffnet: Haben Sie Angst, sich mit Covid-19 zu infizieren?

Norbert Bartetzko: Dieses Virus hat so viele Gesichter und man weiß nicht, wie es einen erwischt. Als ApothekerInnen erfahren wir natürlich, wenn unsere Kundinnen und Kunden Corona bekommen haben. Keiner ist davor sicher und daher sollte man Kontakte meiden, wo es geht.

Welche Schutzvorkehrungen haben Sie getroffen?

Norbert Bartetzko: Die Personenanzahl in der Apotheke ist stark begrenzt und wir tragen schon sehr lange FFP2-Masken. Um uns und unsere Kundschaft zu schützen, desinfizieren wir den Handverkaufstisch mehrmals am Tag und haben eine Plexiglasscheibe auf dem Verkaufstisch aufgestellt. Wir stoßlüften auch regelmäßig. Wir machen also eine Menge, um das Risiko zu minimieren. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber nicht.

Welche Frage beantworten Sie bei Ihrer Arbeit am häufigsten?

Norbert Bartetzko: Die meistgestellte Frage ist: „Haben Sie das auf Lager?“ – mit einem vorgelegten Rezept. Und wir haben ein sehr großes Lager und alle Schubkästen sind voll. Darauf bin ich sehr stolz!

Wieso tragen ApothekerInnen eigentlich weiße Kittel?

Norbert Bartetzko: Hinter dem Verkaufstisch ist das Tragen eines Kittels nicht unbedingt notwendig. Die Notwendigkeit besteht nur beim Arbeiten an der Rezeptur. Wir tragen ihn aber auch heute noch aus Tradition beim KundInnenkontakt. Und für mich ist der weiße Kittel ein Signal für eine professionelle Arbeit als ApothekerIn.

Vielen Dank für das Gespräch!

Illustrationen © Anja Stiehler/Raufeld Medien


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