Buchhandlung Alphabet
1. März 2021

Der pädagogischen Buchhandlung Alphabet

Homeschooling gehört für Familien spätestens seit dem Lockdown zu einem der wichtigsten Begriffe der Pandemie. Wenn die Schule in das Kinderzimmer verlegt wird, steht das Familienleben Kopf. Mit der Gründung seiner „Buchhandlung Alphabet“ in Prenzlauer Berg hat sich Wolfgang Loth auf das Thema Lernen mit seinen vielen Möglichkeiten spezialisiert. Im Interview gibt der Eigentümer und Gewobag-Gewerbemieter Tipps für das Homeschooling und verrät, warum wir beim Lernen öfter mal zu Zettel und Stift greifen sollten.


Wolfgang Loth vor seiner Buchhandlung
Lernen muss gelernt werden – und Spaß machen. In seiner
Buchhandlung Alphabet“ bietet Wolfgang Loth individuelle Lernberatungen an.

Herr Loth, warum ist die „Buchhandlung Alphabet“ keine „normale“ Buchhandlung?

Wolfgang Loth: Aufgrund der didaktischen Ausrichtung. Nach meiner Ausbildung als Buchhändler habe ich als Vertriebsleiter im Verlagswesen gearbeitet. Für den Verlag habe ich Lesungen und Literaturveranstaltungen organisiert. Dort lernten Kinder, wie man liest, und Eltern, woran sie gute Kinderbücher erkennen. Das hat mich sehr geprägt. Im Jahr 1991 habe ich mich daher mit meiner eigenen Buchhandlung auf den didaktischen Bereich fokussiert.

Kurz erklärt – was bedeutet Didaktik?

Wolfgang Loth: Gute FahrlehrerInnen erklären nicht nur, wie man Auto fährt. Sie helfen den FahrschülerInnen, die Kompetenz zu erlangen, selbst zu fahren. Also es geht nicht nur um das Kennenlernen, sondern auch um das Können. Und die starke persönliche Bindung zwischen Lernenden und Lehrenden, die beim Können-Lernen passiert, das ist die Kunst des didaktischen Lernens. 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Wolfgang Loth: Das ist viel. Ich bin nach wie vor auf Bücher und Medien neugierig. Und ich bin immer wieder fasziniert, was es noch zu entdecken gibt. Wenn meine KundInnen mir neue Sachen empfehlen, bestelle ich sie gleich und probiere sie aus. Ich liebe die Produkte, die ich verkaufe.

Und mir gefällt das Arbeiten mit Kindern. Diese dürfen sich frei durch meinen Laden bewegen und sich auch mal in die Ecke setzen und lesen. Ich möchte Kindern Spaß und Freude am Lernen, aber auch Souveränität und Selbstvertrauen vermitteln. Manchmal werden Eltern mit ihren Kindern von der Schule zu mir geschickt, damit ich ihnen helfen kann. Dann setzen wir uns zusammen hin und entwerfen eine Strategie, wie das Kind zu Hause am besten lernen kann. Dabei geht es nicht um den Verkauf eines bestimmten Produktes, sondern darum, einen individuellen Weg für den Lernerfolg des Kindes zu finden. Wir wecken bei Kindern das Interesse am Lernen.

Da wir eine Kiezbuchhandlung sind, kenne ich meine Kundschaft sehr gut. Der Großteil meiner KundInnen wohnt in der Umgebung und mir gefällt der persönliche Bezug zu den Familien.

Bieten Sie die Lernberatung auch für Erwachsene an?

Wolfgang Loth: Ja, das Lernen hört schließlich nie auf. Ich arbeite zum Beispiel auch mit Studierenden. Viele sind aufgrund ihrer Intelligenz und ihres kulturellen Umfeldes ohne große Arbeit mit einem sehr guten Schnitt durchs Abitur gekommen. In der Universität ist plötzlich alles anders: Sie stellen fest, dass sie für das Studium mehr lernen müssen und nicht wissen, wie das geht. Dann brauchen sie einen Input, wie sie ihre Lernkompetenz am besten steuern können. Das ist auch sehr spannend bei der Erwachsenenbildung. Manchmal müssen ArbeitnehmerInnen nachgeschult werden. Manche müssen dann nach sehr langer Zeit in die Schule und haben dadurch oft eine große Angst vor Prüfungen und dem Selbststudium. Hier helfe ich gerne weiter.

Perlen zum Lernen
Mit dem Tastsinn lernen: Das Erspüren mit den Händen kann beim Einprägen von Informationen hilfreich sein.

Haben Sie einen Lerntipp?

Wolfgang Loth: Sie werden sich alles besser merken, wenn Sie es aufschreiben ­– in einer Schrift, die Sie mögen. Daher sind Lettering und Schönschrift auch für Erwachsene toll. Wer seine Schrift liebt, schaut gerne auf das beschriebene Blatt und merkt es sich besser. Bei der Schreibschrift schreibt man ein Wort in einem ganzen Schwung und merkt sich den rhythmischen und motorischen Ablauf eines Wortes.

Natürlich gibt es noch viele weitere Tipps und Tricks, die man zum Lernen anwenden kann. Aber nicht jeder Lerntipp funktioniert universell. Jeder und jede muss seinen/ihren eigenen Weg finden.

Homeschooling und Homeoffice: Wie klappt’s?

Welchen Rat haben Sie für Eltern, deren Kinder im Homeschooling sind? Was können sie machen, wenn es nicht gut funktioniert?

Wolfgang Loth: Gehen Sie mit ihren Kindern so um, dass aus ihnen glückliche und zufriedene Erwachsene werden. Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen versuchen, alle Kinder optimal durchs Schuljahr zu bekommen. Bei manchen dauert es vielleicht ein bisschen länger, aber das ist in dieser Ausnahmesituation nicht schlimm. Wichtig ist, dass die Kinder eine starke Persönlichkeit behalten und an sich selbst glauben. Also empfehle ich, etwas Druck rauszunehmen – auch wenn das manchmal schwerfällt. Kinder sollen auch in Zukunft mit Freude beim Lernen sein. Das Ziel sollte ein lebenslanges Lernen sein, auch über die Schullaufbahn hinaus. Das Interesse hierfür entwickelt sich schon im Kindesalter.

Und welche Tipps geben Sie Erwachsenen, wenn die Motivation nachlässt?

Wolfgang Loth: Klösterliche Ordnung. Das heißt, wir Menschen sind leicht abzulenken. Räumen Sie alles vom Arbeitsplatz weg, was da nichts zu suchen hat. Und arbeiten Sie nie im Schlafzimmer. Man sollte diesen Ort nicht kontaminieren. Sonst kann man sich nicht mehr entspannen.

Eine letzte Frage zum Abschluss: Was ist Ihr Lieblingsplatz im Quartier?

Wolfgang Loth: Ich lebe und arbeite seit Jahrzehnten in dem Kiez in Prenzlauer Berg und habe hier schon einiges erlebt. Wenn ich mich aber wirklich entspannen will, findet man mich im Volkspark Friedrichshain.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Felix Seyfert


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