Sven Harke und Christopher von Gumppenberg bei der Preisübergabe vom Innovationspreis.
17. Januar 2022

Daten sammeln für den Klimaschutz

Mit ihrer Plattform zum ganzheitlichen Energiedatenmanagement ist die KUGU Home GmbH Preisträgerin des ersten Innovationswettbewerbes der Gewobag. Im Interview spricht Gründer und Geschäftsführer Christopher von Gumppenberg über den Einfluss von Energiedatenmanagement auf Energiewende und Immobilienwirtschaft.


Mit dem Innovationswettbewerb stärkt die Gewobag ihre Innovationskraft und möchte Innovationen rund um die Wohnungswirtschaft für sich selbst und zum Vorteil der Mieterinnen und Mieter nutzbar machen. Im Fokus des ersten Wettbewerbs 2021 standen digitale Lösungen im Energiemanagement.   

And the Winner is …

Ein Portraitfoto von Christopher von Gumppenberg
Christopher von Gumppenberg ist der Gründer und Geschäftsführer der KUGU Home GmbH.

Herr von Gumppenberg, wir gratulieren Ihnen zum ersten Platz beim Innovationswettbewerb. Ausgezeichnet wurde Ihre Plattform für ganzheitliches Energiedatenmanagement. Worum handelt es sich dabei?

In allen Gebäuden gibt es viele Energiedaten, also Informationen über die Energien um uns herum. Diese werden unter anderem über Gas-, Wärme-, Wasser- und Stromzähler erfasst. Im Plattformansatz der Gewobag und mit unserer KUGU-Plattform können wir diese Daten sammeln und auswerten, um auf Basis dieser Informationen wichtige Rückschlüsse zu ziehen.

Welche Erkenntnisse können denn konkret aus den Daten gewonnen werden?

Wir erheben alle relevanten Daten aus den Heizungskellern, unter anderem über Gas-, Öl-, Wärme- und Stromzähler, aber auch andere Sensordaten wie Temperaturen und Volumenströme. Unsere Software wertet die Daten automatisch aus. Dabei können Störungen erkannt werden. Wenn die Anlage ausfällt, bekommt der oder die zuständige Mitarbeitende unmittelbar eine Mitteilung, sodass sofort reagiert werden kann. Wir können aber auch Muster zur Effizienzsteigerung erkennen, zum Beispiel eine fehlende Sommerabschaltung oder ineffiziente Pumpen.

Bei dem Innovationswettbewerb haben Sie nun die Umsetzung eines Pilotprojekts mit der Gewobag ED gewonnen. Wie geht es jetzt weiter?

Im Bereich Energiedatenmanagement hat die Gewobag ED in den Vorjahren schon eine sehr gute Vorarbeit geleistet und darauf können wir nun aufbauen. In der Pilotphase werden wir vorerst zehn unterschiedliche Gebäude mit verschiedenen Heizanlagen betrachten. Hier wird die Kombination unserer Energiedatenplattform mit der Plattform der Gewobag Anwendung finden. In dieser Pilotphase bekommen wir die Möglichkeit, unser Produkt weiterzuentwickeln und an die Bedürfnisse der Gewobag anzupassen, indem wir beispielsweise bestehende Komponenten implementieren, damit wir dieses in ihren Gebäuden zum Einsatz bringen können.  

Wie kommen Sie an die Daten der Gebäude? Beginnt Ihre Arbeit vor dem Bildschirm oder in den Heizungskellern?

Letzteres. Die benötigten Daten beziehen wir aus den Wohnhäusern. In diesen sind Zähler verbaut, die wir uns nun erst einmal anschauen müssen. Manche Häuser verfügen über digitale Zähler, die bereits Daten übermitteln, andere Häuser müssen wir mit modernen Zählern ausstatten. Wenn das erfolgt ist, werden die Daten über sogenannte Gateways in unsere Plattformen übertragen und die Software kann übernehmen.

Wie kann die von Ihnen entwickelte Plattform einen positiven Einfluss auf die Energiewende nehmen?

Erst wenn Daten erfasst werden, können die Potenziale zur Optimierung voll ausgeschöpft werden. So können durch unsere Plattform die optimalen Einstellungen für Heizzentralen festgestellt werden, was zu einer Steigerung der Energieeffizienz führt. Zudem können wir unseren Kundinnen und Kunden Empfehlungen aussprechen, welche erneuerbare Energiequelle in welchem Gebäude sinnvoll sein könnte. Damit wollen wir unsere Kundinnen und Kunden auf dem gesamten Weg bis zur Klimaneutralität begleiten.

Werden auch Empfehlungen für die einzelnen Mieterinnen und Mieter gegeben?

Auf jeden Fall, ja. Wir wollen den Mieterinnen und Mietern der Gewobag die Informationen über ihr eigenes Nutzungsverhalten in der Service-App der Gewobag zur Verfügung stellen. Diese sollten dabei so persönlich wie möglich gestaltet werden: Wie ist der Verbrauch im Vergleich zu anderen? Welche Monate sind besonders intensiv? Ob und wo kann künftig gespart werden? Bekommen die Mieterinnen und Mieter die Antworten auf diese Fragen zur Verfügung gestellt, können sie Energie sparen, was einen positiven Einfluss auf die Energieeffizienz hat.

Wie schätzen Sie den Einfluss von Energiedatenmanagement auf die Zukunft der Immobilienwirtschaft ein?

Energiedaten sind eine zentrale Komponente. Ich glaube, jedes Unternehmen – egal ob groß oder klein – braucht gutes Energiedatenmanagement. Mit dem Inkrafttreten der neuen Heizkostenverordnung wird dies auch zur Pflicht: In Zukunft müssen den Mieterinnen und Mietern monatlich Informationen zu ihren Heizkosten zur Verfügung gestellt werden. Daher wird es wichtig, dass die Daten verfügbar und für die Optimierung aufgearbeitet sind. Um die Energiewende voranzutreiben, braucht man die Datengrundlage in den Gebäuden, und die schaffen wir.


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