Extavium: Durch Neugier die Welt besser machen!

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In der nördlichen Potsdamer Innenstadt zwischen Hans Otto Theater und Museum Barberini befindet sich direkt am Kanal die wissenschaftliche Mitmachwelt Extavium. Dr. Axel Werner, promovierter Physiker und Mitbegründer, praktiziert hier mit seinem Team die Vorstellung davon, Wissenschaft begreif- und erlebbar zu machen, und bietet einen Ort, an dem die Neugierde zu Hause ist und auch bei den erwachsenen BesucherInnen wieder geweckt wird.


Dr. Axel Werner trägt einen roten Pullover mit der Aufschrift "extavium" und hält einen Vortrag.
Dr. Axel Werner, Mitbegründer des Extaviums, plädiert in der Forschung wie auch in der Lehre für fächerübergreifendes Verständnis.

Wissenschaft mit allen Sinnen

Dr. Axel Werner, kein Anhänger durchdesignter Wissenschaftsmuseen und Geschäftsführer des Extaviums, ist der Auffassung, dass Wissenschaft am besten durch Alltagsphänomene und alltägliche Materialien vermittelbar ist. Denn nur, wenn Menschen von etwas im Alltag Gebrauch machen können, sei das Gehirn bereit zu lernen. Neugierde wird geweckt, wenn uns etwas interessiert. Dr. Axel Werner weiß, dass naturwissenschaftliche Begriffe wie Thermodynamik abschrecken können und glaubt vielmehr, dass über sinnliche Erfahrungen wie Tasten, Hören, Sehen, Riechen, Selbermachen am effektivsten gelernt und begriffen werden kann. Die wissenschaftlichen Begriffe können zum Schluss kommen. Und er erzählt, dass er genau aus diesen Gründen den Satz „Jetzt habe ich es endlich mal begriffen“ in seinem Alltag sehr oft hört.

Die Ausstattung des Extaviums ist bewusst einfach gehalten: „Ausstattung ist kein Garant für Wissensvermittlung“, sagt Dr. Axel Werner: „Sie können das beste NaWi-Kabinett haben, aber es steht und fällt mit dem Lehrer, der die Kinder und Jugendlichen an die Welt der Wissenschaft heranführt.“ Das Team des Extaviums ist bunt gemischt und besteht aus NaturwissenschaftlerInnen StudentInnen, TutorInnen und auch QuereinsteigerInnen in die Naturwissenschafts-Materie.

Extavium: Neugierde ohne Altersbeschränkung

Für Dr. Axel Werner gibt es bei der Frage, für welche Altersgruppen das Extavium am besten geeignet sei, keine Grenzen nach oben oder unten. Willkommen seien Gäste auch schon im Kleinkindalter: Wenn sie sich auf allen Vieren fortbewegen können, erleben sie z. B. statische Anziehungskraft und sehen sich von hinten im Spiegel. Aber die meisten BesucherInnen seien im Grundschulalter. Das Extavium ist auch ein Lernort für die ganze Familie. Die älteste Besucherin war 96 Jahre alt und meinte beim Gehen: „Ich hätte nicht gedacht, nochmal was zu lernen.“

Bunte Holzaufsteller von einem Mann, einer Frau und einem Kind.
Wussten Sie, dass der Haarverlust bei Jugendlichen 40 Haare pro Tag beträgt?

Lernen durch angstfreies Ausprobieren

Dr. Axel Werner ist davon überzeugt, dass kreatives Lernen funktioniert, wenn man sich wohlfühlt und es nicht mit Angst besetzt ist, wie das für manche SchülerInnen bei dem Fach Mathematik der Fall sei. Am besten werden Informationen im Gehirn abgespeichert, wenn sie mit positiven Emotionen besetzt sind. Und das wird im Extavium geboten: Freude, Ausprobieren, Mitmachen und Die-Zeit-Vergessen. Die Zahlen sprechen für sich. So hat das Extavium jährlich ca. 30.000 BesucherInnen.

„Basiswissen und Grundverständnis sind die Voraussetzungen, um neu zu denken“, erklärt Dr. Axel Werner, wie z. B. auch das wichtige Thema Umweltschutz nachhaltig umgesetzt werden könnte. Über 90 Exponate und zahlreiche Experimente sind im Extavium erleb- und ausprobierbar.

Fragen wie: „Was genau steckt in der Luft?“, „Wie ist unsere DNA aufgebaut?“ oder „Wie entsteht ein Bild?“ wird dabei spielerisch auf den Grund gegangen.

Eine Hand drückt einen leuchtenden Knopf.
Logik, genaues Beobachten und Reaktionsgeschwindigkeit sind hier gefragt.

Vom Energie-Fahrrad, Schokoküssen im Vakuum, dem Magnet-Igel oder einem Turm von Hanoi über magnetische Kunstwerke, Wärmebildkamera und Mäuselabyrinth bis hin zur Erklärung des Satzes des Pythagoras durch Grassamen in Quadraten: Auf die Frage, was den BesucherInen am besten gefällt, kommt meistens die Antwort: „Alles.“

Coronabedingt haben Dr. Axel Werner und sein Team aus dem Wunsch heraus, Angebote für Kinder zu machen, die sie mit ihren Eltern gemeinsam zu Hause erleben können, Experimentiervideos entwickelt. Bereits über tausend Mal wurden die Anleitungen schon heruntergeladen.

Photos © Maren Schulz