Hicham Safa im Fahrradladen Wulf.

Fahrradladen WULF: Kiez trifft Handarbeit

Fahrräder kaufen, reparieren lassen oder leihen: Der Fahrradladen WULF in Prenzlauer Berg lässt das Herz von Zweiradfans höherschlagen.


Für sowohntberlin haben wir mit Hicham Safa gesprochen. Ihm gehört seit 2017 der Fahrradladen WULF, der sich im Erdgeschoss eines Gewobag-Hauses in der Kopenhagener Straße befindet.

Besonders gefällt ihm das Retten, Reanimieren und Reparieren von geliebten Drahteseln, die sich in den Kellern Berlins verbergen. Diese bringen er und sein Team mit Liebe zum Detail wieder auf Vordermann.  

Frei nach dem Motto: Aus alt mach neu.

Der Weg zum eigenen Fahrradladen

Herr Safa, warum haben Sie einen Fahrradladen? Was haben Sie vorher gemacht?

Ich bin gelernter Lokführer und bin über zehn Jahre Personenzüge gefahren. Irgendwann wollte ich etwas Geselligeres machen. Ich mache gerne Sport in meiner Freizeit und kann gut mit Leuten umgehen – da hat der Fahrradladen gut gepasst.

Das Bauen an den Fahrrädern habe ich mir dann selbst beigebracht.

Fahrradladen Team in der Werkstatt.
Im Fahrradladen WULF arbeitet ein 5-köpfiges Team aus professionellen Mechanikern und Schweißern.

Angebote und Services im Fahrradladen WULF

Welche Services bieten Sie im Fahrradladen WULF an?

Wir verkaufen neue Räder, reparieren aber überwiegend und bauen individuelle Fahrräder aus. Das ist eigentlich das, was am interessantesten für unsere Kunden ist. Gefällt der Rahmen von dem Drahtesel im Keller, können wir diesem mit erneuerter Bereifung und Schaltung neues Leben einhauchen. 

Wir verkaufen auch Fahrräder vom Band, der größte Teil unserer Fahrräder ist aber Handarbeit. Mir gefällt es, Fahrräder oder Rahmen, die schon eine Zeit gefahren sind, die eine Geschichte haben, nochmal aufzupäppeln und ihnen neues Leben einzuhauchen.

Zudem gibt es bei uns die Möglichkeit, sich Fahrräder auszuleihen.

Was sind die Top-Seller im Fahrradladen WULF?

Die Fahrräder, die wir aufbauen.

Haben Sie viele Stammkunden?

Wir haben viele Liebhaber-Kunden. Hier gibt es oft Kaffee und Kuchen und wir quatschen. Mir ist das sehr wichtig, auch, dass der Kiez lebt.

Fahrradladen WULF Werkstatt
Bei Einkauf und Lagerung wird beim Fahrradladen WULF möglichst auf Verpackungen verzichtet – der Umwelt zuliebe.

Der Fahrradladen WULF und sein Kiez

Apropos Kiez: Wie hat sich der Kiez rund um den Fahrradladen WULF in den letzten Jahren verändert?

Der Kiez hat sich meiner Meinung nach zum Positiven verändert. Die Leute haben mitbekommen, dass es wichtig ist, auch in den kleinen Geschäften einzukaufen. Es ist insgesamt voller geworden hier – es gibt viele neue Cafés. Aber die Kiezgrößen, die wohnen immer noch hier.

Wir fühlen uns hier in Prenzlauer Berg sehr wohl. Wenn ich rausgehe, bin ich eigentlich nur am Grüßen. Das ist das Schöne an der Arbeit. Man kennt sich im Kiez.

Hicham Safa vor Fahrradladen Wulf.
Neben seiner Arbeit hält sich Hicham Safa mit Schwimmen, Ausdauertraining und Kraftsport fit.

Mitarbeiter im Fahrradladen WULF

Ist es leicht, Nachwuchs für den Fahrradladen WULF zu finden?

Wir sind immer auf der Suche nach guten Mechanikern. Es ist schwer, neue Kollegen zu finden.

Wieso?

Wir brauchen hier Leute, die Erfahrung haben. Leider hapert es oft an der Motivation, an Pünktlichkeit und Fachkenntnis. Wenn ein Leser oder Leserin Interesse hat, kann er oder sie sich gerne melden. Bei einem Praktikum kann man sein Können unter Beweis stellen. Wir würden uns sehr über ein weiteres Teammitglied freuen.

Alte Fahrradschläuche übereinander
Alte Schläuche werden abgeholt. Daraus werden dann Taschen und Gürtel gefertigt.

Fahrrad oder Auto?

Findet man Sie nur auf dem Fahrrad oder sind Sie auch mit dem Auto unterwegs?

Ich wohne im Wedding und komme mit dem Fahrrad zu Arbeit. Ein Auto habe ich aber auch. Das brauche ich für den Transport.

Rikscha vor dem Fahrradladen Wulf
Vor dem Laden steht die Rikscha von Hicham Safa. Mit ihr macht er gern Ausflüge mit seiner Familie.

Was für ein Fahrrad fahren Sie?

Ich habe ein paar mehr Fahrräder. Meine Rikscha ist ursprünglich aus Indien. Der alte Eigentümer hat damit gearbeitet, und als er keine Verwendung mehr dafür hatte, habe ich sie übernommen.

Außerdem habe ich noch ein Rennrad und ein Postrad. Mein Rennrad hat einen alten Fliegerrahmen aus den 50ern. Den habe ich hier nochmal neu aufbauen lassen. Dazu kamen ein neuer Sattel und ein neues Lenkrad.

Können Sie sich noch an Ihr erstes Fahrrad erinnern?

Mein erstes Fahrrad habe ich als Kind bekommen: Ein blauer Puky, den mir mein Vater geschenkt hat. Das ist ein Kinderrad mit Stützrädern. Das war für mich ein Traum, einfach wunderbar. Diese Erinnerung habe ich heute noch.

Die schönste Fahrradtour Berlins!

Wo führt Ihrer Meinung nach die schönste Fahrradtour in Berlin entlang?

Wenn ich in Berlin fahre, fahre ich gerne die Radtour im Tiergarten. Zum Brandburger Tor, Haus der Kulturen der Welt, Schloss Bellevue …

… und in der Berliner Umgebung?

Ich fahre gerne die Prenzlauer Allee hoch Richtung Norden. Dann über die Schönerlinder Straße bis Wandlitz, Wandlitzsee, fast bis zur Schorfheide. Da ist Barnim und es gibt viele Seen und schöne kleine Wälder. Mir gefällt es da sehr gut. Das war übrigens auch meine Stammstrecke als Lokführer. So habe ich die Strecke kennengelernt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Photos © Felix Seyfert