Fassadenwechsel beim URBAN NATION Museum

Dave the Chimp und Freunde erzählen Geschichten von Zusammenhalt und Solidarität: Um dem URBAN NATION Museum in der Schöneberger Bülowstraße ein neues, aktuelles Antlitz zu geben, lud Direktor Jan Sauerwald den in Berlin lebenden Künstler Dave the Chimp dazu ein, sich an der Museumsfassade auszutoben.


Dieser, bekannt für seine orangefarbenen Charaktere, die „Human Beans“, kam jedoch nicht allein, sondern brachte direkt vier weitere befreundete KünstlerInnen mit. Sie stellten sich allesamt der Herausforderung und die 50 x 7 Meter große Wand bespielten. Gemeinsam mit Mina, Señor Schnu, Matt Jones aka Lunartik und Humble Writerz gestaltete Dave the Chimp ein Motiv, das für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt und Solidarität plädiert und somit aktueller denn je ist.

Die neue Fassade des URBAN NATION Museums von Dave the Chimp aus der Vogelperspektive
Die neue Fassade des Urban Nation Museums kommt bunt und spielerisch daher. Hier gibt es seit Juni viel Neues zu entdecken!

Human Beans: An einem Strang ziehen!

Das Mural funktioniert im Sinne eines Comicstrips: Verschiedene Dinge spielen sich an verschiedenen Orten in einer übergreifenden Szenerie ab. Kleine Geschichten werden innerhalb eines zusammenhängenden Narrativs erzählt und ergeben so einen gesamtheitlichen Kontext. Die großen Steine repräsentieren laut Dave unseren Glauben an die Stabilität unserer Systeme, wie z. B. der Politik und Wirtschaft. Doch hat sich mit der weltweiten Corona-Krise in diesem Jahr gezeigt, dass die sichergeglaubten Strukturen durchaus fragil sind. Die diversen Probleme können wir nur gemeinsam bewältigen. Die „Human Beans“ (übrigens ein Wortspiel mit dem englischen Begriff „human beings“, zu Deutsch: Menschen) arbeiten deswegen zusammen. Sie unterstützen sich gegenseitig, geben sich Halt, motivieren sich und sind füreinander da. So balancieren und stützen sie Dinge, um die Stabilität des Konstrukts beizubehalten. Das Mural zeigt auch fehlerhafte Bauwerke und Fehlplanungen, die die Human Beans mit viel Mut, Witz und Geschick vor dem Zusammenbruch bewahren müssen. Es macht deutlich, welch großen Aufwand die kleinen Bohnen leisten müssen. Denn sobald auch nur ein Fehler passiert, könnte das gesamte Konstrukt in sich zusammenfallen. Umso wichtiger ist es, dass alle an einem Strang ziehen.

Eine Detailansicht des Murals von Dave the Chimp und anderen Künstlern
Passt, wackelt und hat Luft. Hier hilft wirklich jeder mit.

Dave the Chimp, vier MitstreiterInnen, ein Mural!

Die Gestaltung basiert auf einer Idee von Dave the Chimp. Den anderen vier KünstlerInnen machte er nur wenig Vorgaben und ließ allen ihren kreativen Freiraum. Matt Jones aka Lunartik, der für seine Doodles bekannt ist, hat außerirdische Hieroglyphen eingebracht. Sie zieren die Felsbrocken, welche an das jungsteinzeitliche Bauwerk Stonehenge erinnern. Humble Writerz hingegen verpasste den Felsbrocken dazu einen Touch Inka-Kunst und Señor Schnu brachte seine typischen augenzwinkernden Postermotive an die Wand. Die Künstlerin Mina fügte dem Gesamtbild die für sie typischen starken Frauenbilder, die an Höhlenmalerei erinnern, hinzu und rundete das Ganze somit ab. Auch NachbarInnen des Museums nahmen sich Zeit. Sie blieben vor der Fassade stehen und hatten ihren Spaß an den witzigen und kreativen Bohnen. Ein Vater erklärte seinem Sohn anhand des Kunstwerkes auch etwas über die Inka-Kultur und die Höhlenmalerei, verriet uns Dave the Chimp.

Dave the Chimp mit den Künstlern Humble Wirterz, Lunartik, Señor Schnu und Mina.
Dave The Chimp mit seinen vier MitstreiterInnen vor der neuen Fassade des URBAN NATION Museums. Im Hintergrund v. l. n. r.: Humble Writerz, Matt Jones aka Lunartik, Señor Schnu, Mina.

Streetart ist Entdeckung!

Verschiedene Verweise auf Literatur, Popkultur und Menschheitsgeschichte machen die Fassade zu einem vielfältigen Kunstwerk und einer Bereicherung für den Bülow-Kiez. Dave the Chimp gibt zu, dass die Fassadengestaltung eine echte Herausforderung war. Ein so großes Projekt hätte er ohne die Unterstützung der anderen KünstlerInnen nicht so reibungslos gemeistert: „Die Museumsfassade stellt eine enorme Herausforderung dar, denn die Wände haben teilweise unterschiedliche Tiefen. Es gibt Ecken, es gibt Kanten, Fenster und Türen. Es gibt Bereiche, die man mit einem Lift nicht erreichen kann. Die Gestaltung wird also nicht auf Instagram oder einem Foto funktionieren, weil es so viele verschiedene Elemente gibt, die man sich vor Ort ansehen muss. Aufgebaut ist das Ganze nämlich wie ein Comic mit verschiedenen Geschichten. Das macht Streetart für mich übrigens persönlich auch aus: Es sollte eine Entdeckung sein. Bei Streetart geht es darum, nach draußen zu gehen, die eigene Nachbarschaft zu erkunden, andere Städte zu erkunden, selbst zu sehen, was man findet, anstatt nur schöne Fotos auf seinem Handy anzuschauen“.

Dave the Chimp und KünstlerInnen aus Berlin!

Dave the Chimp vor der neuen Fassade des URBAN NATION Museums

Die Entscheidung, ausschließlich in Berlin lebenden KünstlerInnen die Gestaltung der Museumswand zu überlassen, gehört zur kuratorischen Strategie des Museums:

„Als Kurator des Fassadenprogramms ‚ONE WALL‘ der URBAN NATION freut es mich besonders, dass Dave the Chimp noch vier weitere in Berlin lebende KünstlerInnen zu diesem kollaborativen Projekt eingeladen hat. Sie alle geben dem Kunstwerk ihren jeweils individuellen und künstlerischen Touch. Die neue Fassadengestaltung ist ein schönes Beispiel für die Vielseitigkeit der Berliner Streetart-Szene, welche uns als Museum für urbane Kunstformen sehr interessiert und mit der wir uns auch zukünftig vermehrt beschäftigen werden“, so Jan Sauerwald, Direktor des URBAN NATION Museums.

Auch in den Sommerferien ist ein Spaziergang mit Kindern zur Museumsfassade mit anschließendem Ausstellungsbesuch ein toller Tipp, um sich über Streetart und Urban Art zu informieren und dabei Vieles zu entdecken.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass URBAN NATION mit dem bekannten Street-Artist Dave the Chimp zusammenarbeitet. Bereits 2017 präsentierte er im Rahmen des Project M/11 seine Arbeiten. Auch an globalen Gruppenausstellungen mit namhaften Größen der Urban-Art-Szene, wie zum Beispiel Banksy, Miss Van, Swoon, Shepard Fairey und Space Invader, hat er teilgenommen. Das Œuvre des im Vereinigten Königreich geborenen und in Berlin lebenden Dave the Chimp war in den Anfängen vom Skaten und von Fanzines bestimmt. Heute reicht es von seinen bekannten „Human Beans“ bis hin zum Entwerfen von Spielplätzen. Er ist zudem als Illustrator, Art Director und Verleger sowie als Architekt von Skulpturen, auf denen man skaten kann, aktiv.

Photos © Nika Kramer

Photo Infobox © Aurelio Schrey