11. Dezember 2020

Gewobag VB: Kenner des Berliner Marktes

Read this article in English

Die Gewobag VB Vermögensverwaltungs- und Betriebsgesellschaft mbH gehört zu den größten Berliner Hausverwaltungen für Dritte. Die Mitglieder der Geschäftsführung, Nicole Wilke und Boris Drigalski, sprechen im Interview über die kommenden Aufgaben der Gewobag-Tochter im Zeitalter der Digitalisierung und die soziale Verantwortung als sogenannter „Fremdverwalter“.


Nicole Wilke, Mitglied der Gewobag VB Geschäftsführung
Nicole Wilke, .Mitglied der Gewobag-VB-Geschäftsführung.

Warum hat die Gewobag als städtisches Wohnungsunternehmen eine Tochtergesellschaft für Fremdverwaltung?

Nicole Wilke: Eigenbestands- und Fremdverwaltung weisen ein hohes Maß an inhaltsgleichen, bewirtschaftungsrelevanten Prozessen, aber auch Unterschiede in den strategischen Ausrichtungen und Kommunikationserfordernissen auf. Eine Fremdverwaltungstochter bietet die Chance, den Berliner Immobilienmarkt über das Teilsegment der kommunalen Eigenbestandsverwaltung hinaus vollständig wahrzunehmen und Erkenntnisse gewinnbringend zu verarbeiten.

Die Fremdverwaltung bündelt mehrere Varianten, jeweils auf die individuelleren Bedürfnisse vieler verschiedener Eigentümer ausgerichtet. Das ist in einer eigens dafür bereitstehenden Firma einfacher, weil sie agilere Strukturen und vielfältigere Abläufe hat, die nicht gegen die Bestandsverwaltung laufen, und der Fremdkunde nicht in Konkurrenz mit dem einen „Großkunden“ beziehungsweise Eigenbestandshalter steht. Der interne Vorteil für einen Konzern ist hierbei, das Ohr am Markt zu haben und die Brille zwischen der Verwaltung kommunaler Bestände und der freien Wohnungswirtschaft wechseln zu können. Für beide Seiten können dadurch positive Veränderungen mitgenommen werden. Zudem ist es die Agilität, die es uns ermöglicht, für Fremdeigentümer die Vorteile zu sichern, die im Verbund ausgeschrieben werden müssen. Grundsätzlich verwalten wir als Gesamtkonzern über eine Plattform zusammen eine große Anzahl von Wohnungen, was uns in Berlin zu einem der größten Immobilienverwalter macht.

„Wir sind spezifischer Kenner des Berliner Marktes und seiner Kieze mit hoher Prozess- und Digitalisierungskompetenz.“

Boris Drigalski

Boris Drigalski, seit 2018 Mitglied der Gewobag VB Geschäftsführung.
Boris Drigalski, seit 2018 Mitglied der Gewobag-VB-Geschäftsführung.

Was grenzt die Gewobag VB von anderen Immobilienverwaltern ab?

Boris Drigalski: Wir haben eine sehr hohe Prozess- und Digitalisierungskompetenz. Diese Expertise speist sich aus unserer Konzern-Verbundstrategie und schafft einen Mehrwert bei unseren Stakeholdern. Unsere Fokussierung liegt klar auf den operativen Kernprozessen.

Ein Teil unserer Wettbewerber geht die Digitalisierung aufgrund finanzieller und prozessualer Barrieren oder fehlender personeller Ressourcen zurückhaltender an. Die enge Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern und die gemeinsam genutzte SAP-Softwarelösung versetzen uns in die Lage, die Prozesse im Hintergrund stabil, sicher und strukturiert ablaufen zu lassen. Unseren Kunden bieten wir eine vollständige kaufmännische, technische und infrastrukturelle Betreuung. Wir haben eine spartenorientierte Aufgabenverteilung und zentrale Ansprechpartner für unsere Kunden. Wir sind spezifischer Kenner des Berliner Marktes und seiner Kieze mit hoher Prozess- und Digitalisierungskompetenz und wissen um die regionalen Anforderungen und Herausforderungen. All dies ermöglicht uns die Immobilienbetreuung in allen Asset-Klassen, also Wohn-, Gewerbe- und Spezialimmobilien, Wohneigentümergemeinschaften und Sondereigentumsverwaltung.

Nicole Wilke: Speziell ist zum Beispiel die Kita-Verwaltung. Wir verwalten 143 Kindergärten in der kaufmännischen Grundstücks- und Gebäudeverwaltung für landeseigene Betriebe. Das geht bis ins Facility Management. Unsere Verbunddienstleistungen ermöglichen das Automatisieren und Skalieren diverser Bausteine in der Fremdverwaltung. Das Forderungsmanagement, die Kreditorenbuchhaltung, das Service-Center im First Level, das können wir alles über den Mutterkonzern mitabdecken und natürlich bessere Leistungen in diesen Teilbereichen anbieten als manch anderer.

Wie lässt sich das Ziel der Gewobag, bezahlbaren Wohnraum für Berlin zu schaffen und nachbarschaftliche Quartiere zu fördern, mit der Fremdverwaltung verbinden?

Boris Drigalski: Das sind zwei wichtige Themen. Wir können Beiträge leisten, auch wenn sie keine Schwerpunkte in der Fremdverwaltung darstellen. Wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sind wir zum Beispiel aufgrund unserer umfassenden und vielfältigen Netzwerke im Gesamt-Berliner Markt in der Lage, verkaufsbereite Eigentümer zu vermitteln. Es ist uns wiederholt erfolgreich gelungen, Immobilien, die zuvor bei uns betreut wurden, der Gewobag AG anzubieten und so in den kommunalen Bestand zu überführen. Die Themen, mit denen die Gewobag AG in der Quartiersentwicklung unterwegs ist, denken wir als Gewobag VB in unseren Streubeständen mit den gleichen Ansätzen. So leisten wir beim Klimaschutz in Form von Beratung, Initiierung und Umsetzung von Energie-Effizienz-Maßnahmen für unsere Kunden einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Ein klarer Vorteil also, eine Gewobag-Tochter zu sein?

Boris Drigalski: Mit Sicherheit ja. Wir arbeiten bei der Vermietung eng zusammen, ebenso in den Bereichen IT und Personal. Mit der Verbundstrategie gelingt es, Themen für die Gewobag VB zu nutzen, die konzernweit gelten. Ergänzt um unsere individuellen Anforderungen und Ideen schnüren wir attraktive Pakete wie zum Beispiel in den Personalbereichen Recruiting und Retention. 2019 wurden wir dafür beim deutschlandweiten Wettbewerb „Immobilienverwalter des Jahres“ prämiert.

„Wenn ich mir den Benchmark für unsere Bestände anschaue, liegen wir meistens unter dem Mittelwert des Betriebskostenspiegels.“

Nicole Wilke

Wie können Kostenoptimierungen mit sozialer Verantwortung in der täglichen Verwaltung in Einklang gebracht werden? 

Nicole Wilke: Grundsätzlich hat Fremdverwaltung nichts mit Mietwucher & Co zu tun. Es gibt Gesetze, daran halten sich Verwalter und Vermieter. Der größte Teil der Wohnungen im Berliner Markt ist aber in privater Hand. Da wird vielfältig soziale Verantwortung wahrgenommen. Im Rahmen der Fremdverwaltung zeigt sich soziale Verantwortung nicht nur in der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, sondern eben auch in der Mietzusammensetzung. Bei der zweiten Miete, sprich bei den umlagefähigen Betriebskosten, bieten wir Kostenvorteile durch die großen Mengen, die wir einkaufen. Wenn ich mir den Benchmark für unsere Bestände anschaue, liegen wir meistens unter dem Mittelwert des Betriebskostenspiegels. Das ist sozial verantwortlich, da die Ersparnis an die Mieter weitergegeben wird.

Boris Drigalski: Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung bewusst und wollen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Dienstleistern und Auftraggebern vorbildlich und transparent agieren. Uns ist ein partnerschaftlicher und fairer Umgang miteinander wichtig. Es muss einen regelmäßigen und intensiven Austausch auf Augenhöhe geben, um eine vertrauensvolle und dauerhaft erfolgreiche Zusammenarbeit sicherzustellen. So erreichen wir auch in Zeiten reduzierter Dienstleistungskapazitäten gute Verfügbarkeiten und Reaktionsgeschwindigkeiten.

Gibt es Richtlinien, Vorgaben seitens des Mutterkonzerns?

Boris Drigalski: Wir sind autark in den Kernprozessen der operativen Bereiche, unterstützt durch die Themen, die aus der Verbundstrategie resultieren. Wir nutzen hochgradig einheitliche Organisationsvorgaben. So ist es für unsere Kunden wichtig und verlässlich, dass wir mit dem Risiko- und Compliance-Management konzernweit die Einhaltung von Gesetzen und Regelungen gewährleisten und anwenden. Die Richtlinien des Mutterkonzerns sind ein gemeinsames Gerüst, das uns Stabilität und Sicherheit verleiht. Schließlich gibt es Themen, die uns alle gleichermaßen beschäftigen. 2020 war das unter anderem der Datenschutz, vor allem aber der Umgang mit dem Coronavirus. Gemeinsame Richtlinien tragen dazu bei, dass wir mit notwendigen Vorsorgemaßnahmen zur Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Kunden unterwegs sind und den Geschäftsbetrieb sicherstellen.

„Es geht um die Nutzung von Synergien. Ressourcen und Prozesse können durch leichte Modifikationen auch anderen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden.“

Boris Drigalski

Wie wichtig ist das Thema Digitalisierung?

Boris Drigalski: Das Thema Digitalisierung ist zentral und bedeutend. Es geht darum, den Kundennutzen mit unseren Dienstleistungsangeboten zu erhöhen und die Kundenbindung zu verbessern. Digitale Themen resultieren sowohl aus den Entwicklungen des Verbunds, wie dem digitalen Mieterwechsel, als auch aus spezifischen Aktivitäten der Gewobag VB. Dazu gehören ein elektronisches Abstimmsystem, die digitale Belegprüfung oder bestimmte Kommunikationstools bei der Betreuung von Eigentümergemeinschaften. Wir sind auch dabei, die von der Gewobag entwickelte Service-App so nutzbar zu machen, dass wir sie als Kunden-App im Fremdverwaltungsbestand einsetzen können. Es geht um die Nutzung von Synergien. Ressourcen und Prozesse können durch leichte Modifikationen auch anderen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden.

Was sind die Ziele für 2021?

Nicole Wilke: Die Pflege und das Wachstum unseres Betreuungsbestandes ist und bleibt eines der wichtigen Ziele, verbunden mit der Erweiterung des Dienstleistungsangebotes.

Boris Drigalski: Digitalisierung und Automatisierung haben neuen Schwung bekommen und verändern die täglichen Abläufe ebenso wie das nachhaltige Wirtschaften. Der Ausbau der Verbundstrategie schreitet weiter voran. Alles, was wir aus einer Hand, also für die verschiedenen Organisationseinheiten unter dem Konzerndach, erbringen können, werden wir auch für die Gewobag VB einsetzen. So steigern wir die Kunden- und die Mitarbeiterzufriedenheit.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Tina Merkau

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Corona bedingten Vorschriften wurden für den Beitrag Archiv-Bilder verwendet.


weitere Artikel