Schuster Ibrahim Contur
28. April 2021

„I Love Shoes“ – Schuster aus Leidenschaft

Von High Heels über Steppschuhe bis hin zu Lederschuhen: „I Love Shoes“ heißt es in der Schuh-Werkstatt am Kottbusser Tor. Und auch Rollschuhe und Taschen kommen Ibrahim Contur bei seiner Arbeit unter die Handwerkerhände. Der Schuster und Gewobag-Gewerbemieter im Interview.


Herr Contur, schauen Sie Menschen immer zuerst auf die Schuhe?

Ibrahim Contur: Ja, das ist eine Berufskrankheit. Egal wo ich bin – ob in der U-Bahn oder in meinem Laden. Die Schuhe sagen viel über den Menschen aus, der sie trägt.

Ein Bild vom Kotti.
Der Laden „I Love Shoes“ befindet sich seit 1986 am Kotti.

Wie wurden Sie Schuster?  

Ibrahim Contur: Ich habe 1994 den Laden meines Vaters, eines ehemaligen Schneiders, der in den 1970er-Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kam, übernommen. Als erstes habe ich mir damals eine Stichsäge geholt und einen Schuh in der Mitte durchgeschnitten. So konnte ich sehen, wie der Schuh von innen aussieht und lernte den Aufbau.

… also Learning by Doing?

Ibrahim Contur: Richtig! Ich habe keine Ausbildung gemacht, hatte aber ein großes Interesse und habe mich einfach ausprobiert. So kaufte ich mir beispielsweise Schuhe für wenige Euro auf Flohmärkten und übte mit diesen. In meinem Leben habe ich viele „Altmeister“ kennengelernt, die ich immer fragen konnte. So hatte ich den Zugang zu dem Wissen. Dieser Zugang, die Liebe zu dem Handwerk und mein Wille machten mich zu einem guten Schuster.

Ibrahim Contur ist Schuster aus Leidenschaft. Bereits mit zwölf Jahren lernte er das Schusterhandwerk von seinem Vater.

Bekommen Sie jeden Schuh gerettet?

Ibrahim Contur: Fast jeden. Ich bin immer ehrlich zu meinen Kundinnen und Kunden. Manchmal lohnt es sich nicht, einen Schuh zu reparieren, da dieser schnell wieder kaputtgehen würde. Aber wenn ich einen Schuh annehme, repariere ich ihn auch. Überschätzt habe ich mich da selten.

Ibrahim Contur schaut sich immer erst die Schuhe und den Stil seiner KundInnen an und bespricht mit ihnen ihre Wünsche und was er vorhat. Erst dann beginnt der Schuster mit seiner Arbeit.

Bezahlen manche KundInnen mehr für die Reparatur, als der eigentliche Schuh gekostet hat?

Ibrahim Contur: Das kommt sehr oft vor. Viele meiner Kundinnen und Kunden hängen emotional an den Schuhen, weil es sich um Erbstücke handelt oder sie perfekt passen, sehr bequem sind oder weil der Absatz optimal ist. Als Schuster stelle ich mir dann vor, dass das meine Schuhe sind und behandele sie sehr sorgsam.

Was sollte man beim Schuhkauf beachten?

Ibrahim Contur: Wenn man uns Schuster fragt, sagen wir: „Kauf Lederschuhe“. Man kann sie pflegen und gut reparieren. Und Schneider könnten antworten: „Baumwolle ist das beste Material“. Aber darauf hören die Leute natürlich nicht, da es um Geschmack geht. Letztendlich sollen doch alle die Schuhe kaufen, die ihnen gefallen. Gutes Material ist für die Reparatur natürlich besser, aber der Schuh soll auch gerne getragen werden.

„Wenn das Wasser abperlt, ist alles in Ordnung. Wenn das Wasser einzieht, braucht der Schuh Pflege.“

Schuster Ibrahim Contur

Welchen Tipp geben Sie für die Schuhpflege zu Hause?

Ibrahim Contur: Schuhe sollten in regelmäßigen Abständen gepflegt werden. Bei Lederschuhen kann man ein Glas Wasser zur Hand nehmen und auf die Schuhe gießen. Wenn das Wasser abperlt, ist alles in Ordnung. Wenn das Wasser einzieht, braucht der Schuh Pflege. Die Lösung ist hier glänzende Schuhcreme oder mattes Lederfett.

Schuhe im Vordergrund, Schuster Ibrahim Contur im Hintergrund
Schuhe sollten regelmäßig geputzt werden. Nicht nur, damit sie schön aussehen, sondern auch, damit sie länger halten.

Was ist Ihr besonderer Trick?

Ibrahim Contur: Nagellack. Er fixt punktuell, zum Beispiel, wenn der Lack von Absätzen von Pflastersteinen abgeplatzt ist. Das habe ich einmal probiert und es hat super funktioniert, daher bin ich dabei geblieben. Es gibt in der Drogerie eine riesige Farbauswahl bei Nagellacken und sie sind sehr günstig. Dosen trocknen aus und man braucht nur ganz wenig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Felix Seyfert

 


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