Der Boxclub

„Isigym Boxsport ist wie meine Familie.“

Der Corona-Lockdown trifft mit seinen Konsequenzen massiv die Sportvereine und legt Träume von Titeln und Meisterschaften temporär auf Eis. Dass gerade in solchen Zeiten mentale Stärke und Kämpfermentalitäten Gold wert sind, beweisen die beiden jungen Boxsportler Ayman Chamdid und Eric Adjakoh, die im Schöneberger Isigym Boxsport Berlin e. V. trainieren.


Im Oktober dieses Jahres gewannen Ayman Chamdid und Eric Adjakoh in ihrer Gewichtsklasse die Berliner Meisterschaft. Das Ticket für das große Ziel, die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft, schienen sie damit sicher zu haben. Doch dann kam es, wie so oft in diesem Jahr, eben anders. Die Deutsche Meisterschaft wurde pandemiebedingt abgesagt. Doch die beiden Jungs trainieren weiter, wie viele andere SportlerInnen auch, wenn auch anders, draußen und meist allein. Sie wissen, dass die Pandemie vorbeigehen wird, dass sie von ihrem Verein unterstützt werden und noch große sportlichen Ziele für die Zukunft haben.

Man braucht ein Kämpferherz“

Ayman Chamdid von Isygym Berlin
Von Ayman Chamdid, der gerade 18 Jahre alt geworden ist, gibt es kaum ein Bild, auf dem er lächelt. Schon mit seinem Gesichtsausdruck, erzählt er, möchte er seine sportlichen Gegner beeindrucken. Das mit dem Beeindrucken ist ihm bei der Berliner Meisterschaft, wo er im Superschwergewicht den Titel holte, bestens gelungen. Schon in der ersten Runde Sieg durch technischen K. o. „Dieses Jahr wollte ich unbedingt auch noch bei der Deutschen Meisterschaft gewinnen“, klingt leichte Enttäuschung in seiner Stimme mit.

Seit mehr als drei Jahren trainiert Ayman schon bei Isigym Boxsport. Vor seiner Boxerlaufbahn sei er mit seiner Körpergröße von 2,02 Meter und mit seinen 113 Kilo immer ein zu frecher Typ gewesen, erklärt er, bis sein Vater meinte: „Jetzt gehst du zum Boxen.“ Heute weiß Ayman, dass sein Vater stolz auf ihn ist. Acht Geschwister sind sie zu Hause in der Neuköllner Sonnenallee, vier Jungs und vier Mädchen. Er glaubt, dass er als ältester Bruder ein Vorbild sein kann: „Ich will nicht, dass meine Brüder auf der Straße Mist bauen“, sagt er. „Ich will ihnen zeigen, dass es anders geht und habe auch meinen Mittelschulabschluss in der Tasche.“  

Der Verein bedeutet ihm viel: „Isigym Boxsport ist wie meine Familie. Natürlich habe ich auch eine Familie zu Hause. Aber wenn ich im Boxclub bin, fühle ich mich nochmal stärker. Der Sport gibt mir Kraft, er gibt mir Liebe und er macht mir Spaß.“

Während der Corona-bedingten Einschränkungen geht er jeden Tag laufen und trainiert mit seinen Sportgeräten in den eigenen vier Wänden. Er ist davon überzeugt, dass man gerade in der jetzigen Zeit viel Selbstdisziplin braucht: „Wenn man die nicht hat, kann man Boxen total vergessen. Und man braucht ein Kämpferherz.“

„Der Sport gibt mir alles“

Eric Adjakoh von Isygym Berlin

Der 17-jährige Eric Adjakoh ist mit seinen 65 Kilo und seinen 1,85 Meter Körpergröße Berliner Meister im Leichtgewicht – sein erster Titel überhaupt, den er Corona-bedingt fast ohne Publikum gewonnen hat. Auf die Frage, ob ihm das Publikum gefehlt habe, meint er: „Ehrlich gesagt hat das den Titelkampf für mich sogar entspannter gemacht. Dadurch war ich nicht so aufgeregt.“

Erst seit einem Jahr ist Eric bei Isigym Boxsport Berlin e. V. Doch wie Ayman sagt er über seinen Verein: „Er ist für mich wie eine zweite Familie. Wenn ich Probleme habe, kann ich mich dort an jeden wenden. Der Sport gibt mir alles.“ Nach den Träumen für die Zukunft gefragt, erzählt er, dass er noch viel mit dem Boxen erreichen und seine Schule abschließen will. Gerade geht er in die elfte Klasse und macht sein Fachabitur als Fachsprachenassistent.

Fünfmal in der Woche trainierte Eric Adjakoh normalerweise, sonntags kamen noch Laufeinheiten hinzu. In der Corona-Zeit ist für ihn und seinen Traum vom Boxen alles schwieriger geworden. Auch er geht jetzt regelmäßig Joggen – und immer mit Musik auf den Ohren. Zu Hause trainiert er mindestens 60 Minuten täglich mit einem Ganzkörpergerät, macht Liegestütze, Sit-ups, Klimmzüge, das ganze Programm.

Eric ist davon überzeugt, dass man beim Sport über seine Grenzen hinausgehen muss: „Als Kämpfer sollte man diszipliniert und nicht zu übermütig sein. Man muss jedem mit Respekt begegnen.“ Natürlich ist er auf seinen Titelgewinn bei den Berliner Meisterschaften sehr stolz. „Meine Eltern haben es am Anfang gar nicht geglaubt, weil sie immer dachten, dass Boxen für mich nur so eine Nebensache ist“, erzählt er. Und seine Ziele für 2021? Nochmal die Berliner Meisterschaft zu gewinnen – und die Deutsche Meisterschaft. Dann aber wirklich.

Die Boxer trainieren bei Isigym Boxsport.
Eric Adjakoh bei seinem Titelkampf um die Berliner Meisterschaft der U17 im Oktober 2020.

Illustrationen © Anja Stiehler/Raufeld Medien