Die Karl-Marx-Allee bei strahlendem Sonnenschein
4. November 2021

Über den Dächern von Berlin

Arbeiten bei der Gewobag VB: Torsten Sodemann betreut als Techniker die Gebäude der Karl-Marx-Allee sowie deren Bewohnerinnen und Bewohner. Mit uns besucht er die ehemalige Paradestraße der DDR und berichtet von seiner Arbeit.


Torsten Sodermann steht auf einem Dach in der Karl-Marx-Allee.
Torsten Sodemann arbeitet bei der Gewobag VB.

Mächtige Säulen, Keramikfassaden, vor- und rückspringende Bauteile – die Karl-Marx-Allee hat nichts von ihrer monumentalen Präsenz verloren. Mit ihren 300 Meter langen Baublöcken wirkt die einstige Vorzeigestraße Ostberlins noch heute imposant. Dass Torsten Sodemann die Häuser in der Karl-Marx-Allee technisch betreuen darf, empfindet der gelernte Industriemechaniker und Bauingenieur als großes Glück. „Ich bin im Stadtteil Friedrichshain geboren und aufgewachsen. Somit verbindet mich sehr viel mit diesen Bauten. Einige Schulkameradinnen und -kameraden wohnten hier. Zudem haben sich meine Eltern im ehemaligen Café Warschau, jetzt Computerspielemuseum, kennengelernt. Im ehemaligen Restaurant Budapest, nun Block House, habe ich meine Jugendweihe gefeiert“, erzählt der überzeugte Friedrichshainer.

Ende 2019 gingen die meisten der geschichtsträchtigen Wohnungs- und Gewerbeeinheiten in unseren Bestand über. Seither kümmern sich die Kolleginnen und Kollegen der WEG-Abteilung, der Miethausverwaltung und des technischen Service um alle Belange dieser Prachtbauten. Heute ist der Verwalter in der Karl-Marx-Allee unterwegs und präsentiert gleich ein echtes Unikum. Ganz oben im siebten Stock befindet sich die Wohnung des DDR-Stararchitekten Richard Paulick. Er baute nach dem Krieg nicht nur die Staatsoper wieder auf, sondern entwarf unter der Federführung von Hermann Henselmann auch die Blöcke C-Nord und C-Süd sowie die für die Karl-Marx-Allee so prägenden Kandelaber. Richard Paulick konzipierte die Wohnung, in der er bis 1979 lebte. Heute wohnt seine Enkelin, die Schauspielerin Natascha Paulick, darin und gewährt seltene Einblicke.

Die Zeit scheint über den Dächern von Berlin stehen geblieben zu sein. Im ehemaligen Arbeitszimmer des Architekten sind noch die Original-Bodenfliesen. Von dort aus geht es direkt auf die Dachterrasse mit spektakulärem Blick – links Frankfurter Tor, rechts Fernsehturm. „Das Besondere an dieser Wohnung ist nicht nur die Innenausstattung, sondern auch die Tatsache, dass sie nach allen Himmelsrichtungen durchfenstert ist und als einzige in diesem Block noch über die originalen Kastendoppelfenster verfügt.“ Für deren Erhalt hatte die Enkelin kämpfen müssen, denn der Voreigentümer setzte vor einigen Jahren im Rahmen einer energetischen Sanierung die Erneuerung aller Fenster im Block C-Nord durch.

Nachhaltigkeit im Blick

Torsten Sodermann schaut sich ein Fenster an.

Die Instandsetzung der verbliebenen Fenster fällt nun in Torsten Sodemanns Bereich. Für ihn sind diese Fenster ein sichtbares, historisches Gestaltungsinstrument, das auch aus Gründen der Ressourcenschonung erhalten werden muss. „Verwitterte Fenster, vor allem Kastendoppelfenster, können fast immer instand gesetzt werden. Von Farbabplatzungen und gerissenem Holz sollte man sich nicht abschrecken lassen. Zum Glück gibt es noch Tischlerinnen und Tischler, die sich mit echtem Handwerk auskennen“, erklärt er. In Sachen Bausanierung, wozu auch die Terrassen- und Fassadenarbeiten in der Karl-Marx-Allee zählen, ist er in regem Austausch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde. 

Mit Wissen überzeugen

Der Techniker setzt sich gerne für die Anwohnerinnen und Anwohner ein, ist auch Ansprechperson für die Eigentümerinnen und Eigentümer im Haus. Nicht für alle Wohnparteien ist die Gewobag Vermieterin, 2019 machten einige Mieterinnen und Mieter vom Vorkaufsrecht Gebrauch. „Wir haben es in der Gewobag VB mit der Verwaltung von Fremdeigentum zu tun. Alle baulichen Maßnahmen sind mit den Eigentümerinnen und Eigentümern im Vorfeld abzustimmen. Das ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. Man muss oftmals Überzeugungsarbeit leisten und selbst eine gewöhnliche Terrassensanierung im doppelten Sinne wasserdicht vorbereiten“, weiß der technische Verwalter. „Aber das macht meine Arbeit auch so spannend und universell. Ich muss mich mit allem auskennen, vom feuchten Keller über Kabelfernseher bis zum Dach. Man lernt nie aus.“

Torsten Sodermann steht in dem Eingangsbereich eines Hauses.
Torsten Sodemann hat das gesamte Gebäude im Blick, auch den imposanten Eingangsbereich.

Fotos © Aurelio Schrey


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