Mutter, Vater und Kleinkind am Tisch.
16. März 2020

Familienalltag: Kinderbetreuung zu Hause

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Familien sind von der Kita- und Schulschließung besonders betroffen. Wenn langfristig die Kinderbetreuung außerhalb der Familie wegbricht, ist das strukturell und emotional eine große Herausforderung für alle. Umso wichtiger ist es, den Familienalltag gut zu organisieren. Wir haben Tipps zusammengetragen, wie Kinder und Eltern ihre Zeit nutzen können – vom Lernen bis zum gemeinsamen Kochen.


Arbeit und Kinderbetreuung in den eigenen vier Wänden unter einen Hut kriegen zu müssen oder nicht arbeiten zu können und um den eigenen Job zu fürchten – all das bedeutet eine enorme Belastung für Familien. Sich gestresst oder überfordert zu fühlen, ist normal. Wichtig ist daher, darüber mit dem anderen Elternteil oder einer Vertrauensperson zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen: Was kann konkret getan werden, um die Situation zu entspannen? Wo kann ich Hilfe bekommen? Auch der (digitale) Austausch mit anderen Eltern in einer ähnlichen Situation ist zudem wichtig und hilfreich.

Organisation ist alles

Bei der Neugestaltung des Alltags in der aktuellen Situation kann es helfen, auf die vergangenen Tage zu schauen: Was lief gut bisher, was nicht? Vielleicht ist es an der Zeit, einen wöchentlichen Familienrat einzuführen? Kinder und Eltern setzen sich zusammen und legen Rahmenbedingungen fest. Wichtig ist, die Bedürfnisse aller Familienmitglieder zu berücksichtigen und zudem zu versuchen, sie durch Kinderaugen zu betrachten. Ein selbst gestalteter Wochenplan mit festen Ritualen am Vor- und Nachmittag kann dabei helfen. Dieser wird gut sichtbar aufgehängt. Für kleinere Kinder können Bilder gemalt oder aufgeklebt werden, damit auch sie den Plan „lesen“ und verstehen können.

Junge bastelt Wochenplan mit Pappe und Papier.
Ein gemeinsamer Wochenplan schafft Struktur und Orientierung. (Photo © Sandra Mager)

Kinderbetreuung und Home-Office?

Wenn Eltern im Home-Office arbeiten, ist Struktur besonders wichtig. Am besten planen Sie, wann Sie welche Arbeiten erledigen und teilen diese auf in solche, die viel Konzentration erfordern, und solche, die leichter von der Hand gehen. Die schwierigen Aufgaben sollten möglichst nicht auf den Nachmittag oder Abend gelegt werden, wenn die Kinder müde sind und ihre Kooperationsbereitschaft nachlässt. Die Tagesplanung ist daher besonders wichtig, um die Kinderbetreuung und das Home-Office unter einen Hut zu bekommen.

Jeden Tag was Gesundes auf den Tisch

Neben der Arbeit und der Kinderbetreuung müssen außerdem auch täglich viele ausgewogene und kindgerechte Mahlzeiten auf den Tisch kommen. Ein Wochenplan für die täglichen Gerichte kann den Kochalltag mit Kindern enorm erleichtern. Frühstück, Mittag- und Abendessen für die Folgewoche können gemeinsam geplant werden. Wenn man weiß, was es jeden Tag zu essen gibt, lässt es sich bedarfsgerechter einkaufen und man muss nicht so oft in den Supermarkt gehen. Einfache und kindgerechte Speisepläne mit Rezepten finden Sie z. B. auf der Webseite www.fitkid-aktion.de der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Im Blog von Gaumenfreundin gibt es zudem hilfreiche Tipps und tolle Vorlagen für einen Wochenplan zum Ausdrucken.

Gesunde Lebensmittel auf einem Tisch.
Zutaten für ein gesundes und abwechslungsreiches Frühstück.

Kinderbetreuung: Beschäftigungen für zu Hause

Wenn Schule und Kita geschlossen sind, kann auch das eigene Zuhause zu einem kreativen Spiel- und Lernraum werden. Die folgenden Ideen und Vorschläge lassen sich darüber hinaus leicht in den Alltag integrieren. Probieren Sie einfach aus, was zu Ihrer Familie passt.

Kinder wollen sich bewegen

Im Netz gibt es viele Videos oder Infoseiten mit Sportübungen für Kinder. Besonders zu empfehlen: Auf dem YouTube-Kanal des Basketballvereins Alba Berlin stellen die Kinder- und Jugendtrainer täglich für drei Altersstufen – Kita, Grund- und weiterführende Schule – eine neue Sportstunde ins Netz. So soll aus den eigenen vier Wänden eine Sportstätte werden. Auch Kinderyoga ist zudem eine tolle Möglichkeit zum Bewegen und Entspannen. Ein kostenloses PDF mit Übungen zum Ausdrucken gibt es hier.

Tochter und Mutter machen Yoga.
Yoga relaxt Eltern und Kinder. (Photo © Svetlana Fedoseeva / adobe)

Frische Luft während der Kinderbetreuung

Sofern möglich: Unternehmen Sie Ausflüge an der frischen Luft. Besonders Wald, weitläufige Parks und Felder sind geeignet. Aber: Unbedingt Abstand zu anderen Personen halten!

Außerdem gibt es in der Wohnung Bewegungsmöglichkeiten: Probieren Sie Klassiker wie „Herr Fischer, wie tief ist das Wasser?“ oder „Feuer, Wasser, Sturm“ und erfinden Sie neue Kommandos. Oder bauen Sie einen Balancier- und Kletterparcours mit Stühlen, Kissen und Matratzen. Aus Krepppapierrollen kann zudem ein „Laserlabyrinth“ gebaut werden, durch das man sich hindurchbewegen muss.

Musik entspannt

Endlich ist Zeit dafür, den Kindern die eigenen Lieblingsbands näherzubringen oder zusammen neue zu entdecken. Also: Musik an und gemeinsam singen und tanzen! Musik tut außerdem den Eltern in angespannten Situationen gut.

Kinder einbinden als Schlüssel der Kinderbetreuung

Kinder helfen gern, wollen mitmachen und an unserem Alltag beteiligt sein. Auch gemeinsames Putzen, Kochen oder Aufräumen kann daher Spaß machen. Vielleicht finden sich beim gemeinsamen Aufräumen zudem auch tolle Sachen zum Spielen: ein Pappkarton zum Basteln oder ausrangierte Kleidung zum Verkleiden. Jetzt ist auch Zeit dafür, Spielsachen zu sortieren: entweder um sie später zu verkaufen, oder um sie für eine Weile in den Keller zu räumen. Wenn sie nach einigen Wochen wieder hervorgeholt werden, sind sie meistens so interessant, als wären sie neu.

Junge und Mädchen sitzen in Pappkartons gegenüber.
Pappkartons werden zum Spielzeug. (Photo © Oksana Kuzmina / adobe)

Größere Kinder können schon Mahlzeiten zubereiten und nach einfachen Kinderrezepten kochen. Auch wenn es nicht sofort perfekt klappt – es ist ein Lernprozess. Die Kinder fühlen, dass sie unterstützen können und sind stolz auf das Ergebnis. Auch mit Backen und dem anschließenden Verzieren kann man Kinder gut beschäftigen. Die Kinder sind beschäftigt und in den Familienalltag integriert, während die Kinderbetreuung an dieser Stelle wie von selbst klappt.

Medienangebote nutzen

Werden Medien für Kinder verantwortungsvoll genutzt, bieten sie die Möglichkeit zu lernen, zu entspannen oder Freiraum zum Arbeiten zu erhalten. Wichtig ist ein ausgewogener Alltag mit genügend Zeit für das Miteinander.

Junge mit Kopfhörern beim Malen.
Hörfunksendungen oder Hörbücher für Kinder können Ruhezeiten begleiten. (Photo © amfer75 / adobe)

Fernsehen und Hörfunk:

Die Sendung mit der Maus“ läuft nicht mehr nur einmal pro Woche, sondern zurzeit täglich im WDR. Zusätzlich sind die Folgen per App und in der Mediathek abrufbar.

Ab sofort ist im SWR vormittags ab 8 Uhr der „Tigerenten Club Spezial“ zu sehen, anschließend läuft „Planet Schule“. Auf der Internetseite zur Sendung sind zusätzlich zahlreiche Lernmaterialien und Filme zu finden. Alle Angebote gibt es dort kostenfrei und als Download.

Der NDR sendet ab sofort werktags von 9 bis 13 Uhr eine Extra-Ausgabe der Kindersendung „Mikado“ mit Hörspielen, Lesungen und Wissensangeboten für Kinder von 7 bis 13 Jahren.

Lernhilfen:

Es gibt zahlreiche Lernplattformen, die in der aktuellen Ausnahmesituation für einen Probezeitraum kostenfrei angeboten werden. Hierzu zählen zum Beispiel scoyo und Sofatutor. Im KiGaPortal gibt es einige kostenlose Anregungen zum Basteln, Spielen und Singen für Kitakinder oder ein günstiges Monatsabo.

Webseiten und Apps:

Seitenstark ist ein Netzwerk von Internetseiten für Kinder mit hohen Qualitätsansprüchen. Die Seite stellt 60 Webseiten mit vielseitigen Lern- und Mitmachangeboten vor. Bei Eltern.de gibt es einen Artikel, der empfehlenswerte Apps für Kinder vorstellt.

Kamera:

Auch eine tolle Beschäftigung: Mit Fotoapparat oder Handy Bilder machen für eine Bildergeschichte oder ein Tagebuch. Oder zum Versenden an Oma und Opa oder Freund und Freundin.

Bücher und Hörspiele:

Viele Bibliotheken ermöglichen auch die Online-Ausleihe von Kinderbüchern, wie beispielsweise hier. Streamingdienste bieten zahlreiche Hörbücher für Kinder an.

Kreativität und Spiel:

Trotz aller Angebote sollen Kinder auch Raum für freies, selbständiges Spiel bekommen, um ihre Fantasie ausleben und ihre Kreativität entfalten zu können. Gut geeignet sind beispielsweise Bausteine, Lego, Finger- oder Wasserfarben, Playmais, Bügelperlen, Murmeln oder Bastelmaterialien. Auch Wasserperlen bieten unzählige Möglichkeiten zum Spielen. Das Granulat aus Harz wird im Wasser zu bunten, schillernden Kugeln, die einfach Spaß machen. Anregungen finden Sie zum Beispiel im Blog von Mama Kreativ.

Junge spielt mit Murmeln.
Bunte Wasserperlen bieten viele Möglichkeiten zum Spielen und Experimentieren. (Photo © yuliiapedchenko / adobe)

Kreative Spielmaterialien lassen sich auch einfach selbst herstellen, zum Beispiel Knete oder Salzteig. Im Netz gibt es unzählige Ideen (übersichtlich dargestellt z. B. bei Pinterest).  

Größere Kinder können kleine Geschenke basteln und per Post versenden. Oder sie können eigene Projekte kreativ umsetzen, Mindmaps oder Wandzeitungen zu einem spannenden Thema erstellen. Das Thema Frühling bietet sich an, in allen Facetten erforscht zu werden.

Kinderbetreuung: Osterhasen aus Toilettenpapierrollen.
terdeko lässt sich aus vorhandenen Materialen einfach selber basteln. (Photo © IndrePau / adobe)

Werden Sie gemeinsam mit Ihren Kindern aktiv: Auch ohne viele zusätzliche Materialien bietet das Zuhause eine Vielfalt an Möglichkeiten zum Spielen und Lernen. Wir müssen unseren Blick nur ein wenig weiten und die Welt aus Kinderaugen betrachten.

Titel Photo © Jürgen Fälchle /adobe


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