14. Juli 2021

Kreativ zum klaren Selbstbild – und zum Traumjob

Wenn junge Erwachsene ihre Stärken kennen, fällt ihnen die berufliche Orientierung und die Suche nach einem passenden Ausbildungsberuf leichter. TeilnehmerInnen der Initiative „Joblinge“ konnten ihr Selbstbild auf ganz kreative Weise analysieren. Herausgekommen sind beeindruckende Fotocollagen, die sogar das Berliner Stadtbild zierten.


Ausbildung? Ja! Aber welche? – Diese Frage stellen sich viele Jugendliche nach ihrer Schulzeit. Orientierung und Hilfe bieten da die „Joblinge“, eine gemeinnützige Organisation, die jungen Menschen mit Startschwierigkeiten mit einem speziell entwickelten sechsmonatigen Programm unterstützt, die eigenen Stärken zu erkennen, den passenden Beruf zu finden und die richtige Bewerbung zu schreiben. Auch während der Ausbildung finden die ehemaligen TeilnehmerInnen immer ein offenes Ohr und Support bei der Initiative.


Eine Joblinge-Teilnehmerin sitzt auf einem Stein.
Foto © Maren Schulz

„Ich habe mein Abitur abgebrochen und eine Ausbildung gesucht, dabei aber schnell gemerkt, dass das nichts wird. Durch die Hilfe der Agentur für Arbeit bin ich dann zu den Joblingen gekommen.“

Meryem Eymur, 19 Jahre, aus Spandau


Eine von ihnen ist Meryem Eymur. Die 19-jährige Spandauerin ist eine Teilnehmende des Joblinge-Programms. Sie hat der Organisation nach einjähriger erfolgloser Suche nicht nur den erfolgreichen Sprung ins Berufsleben zu verdanken, sondern nahm auch an einem ganz besonderen Kreativprojekt teil, das ihr half, mehr über sich selbst zu erfahren.

„(Sich) Ein Bild von sich machen“

Gemeinsam mit der Fotografin Ana Baumgart und der Kunstvermittlerin Karen Winzer untersuchten die jungen Erwachsenen in Vorbereitung auf ihre eigenen Arbeiten Werke des Berliner Fotografen Michael Schmidt, die im Jahr 2020 im Rahmen einer Retrospektive im Hamburger Bahnhof ausgestellt wurden. Schmidts Fotografien zeichnen sich durch authentische Aufnahmen von Menschen in ihrer alltäglichen Umgebung, in ihrem Kiez, am Arbeitsplatz oder in den eigenen vier Wänden aus.

Eine tolle Inspiration für die Jobling-Teilnehmenden, die anschließend fotografisch Antworten auf Fragen suchten wie „Welche Erwartungen gibt es an mein Bild?“, „Wie sehe ich mich selbst?“ und „Wie will ich mich anderen zeigen?“. Dabei sind beeindruckende Collagen mit Motiven entstanden, die die vielseitigen Wünsche und Sehnsüchte, aber auch das jeweilige Selbstbild der TeilnehmerInnen zeigen.

Ursprünglich als Fotoausstellung im Hamburger Bahnhof geplant, wurde aus „(Sich) Ein Bild von sich machen“ wegen der Corona-Pandemie kurzerhand eine Outdoor-Ausstellung, die sich als Plakatreihe im Berliner Stadtraum präsentierte. „(Sich) Ein Bild von sich machen“ ist Teil des Projekts „Kiez meets Museum“ der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin und der Gewobag-eigenen Stiftung Berliner Leben. Das Projekt soll für mehr Teilhabe junger Menschen gerade aus strukturschwachen Quartieren Berlins am kulturellen Leben der Stadt sorgen.


Eine Joblinge-Teilnehmerin vor einer Collage.
Foto © Maren Schulz

sowohntberlin: Wie fühlt es sich an, hier in der Yorckstraße vor deinem eigenen Plakat zu stehen?

Meryem: „Es ist ungewohnt, aber auch gleichzeitig schön, sein eigenes Bild zu sehen. Dass es dann noch in Berlin hängt, wo jeder es sehen kann, ist echt ein schönes Gefühl.“


Meryem zeigte uns im Mai, als die Plakatreihe am S-Bahnhof Yorkstraße zwei Wochen lang ausgestellt wurde, stolz ihr Werk. Reflektiert und selbstbewusst erzählte sie die Geschichten, die hinter den Motiven der Collage stecken. Es sind ganz persönliche Momente, wie das Bild ihres Opas in dessen türkischer Heimat, eines Baumes, der ihre Naturliebe symbolisiert, ihres Zuhauses und ihres liebsten Rückzugsortes, aber sie zeigt auch sich selbst, mit Haaren vor dem Gesicht, in einer Haltung, in der sie sich in diesem Moment wohlgefühlt hat.

Mit Mut und Zuversicht zum Ausbildungsplatz

Möglicherweise würde dieses Bild von ihr heute anders aussehen, denn Meyrem hat nicht zuletzt durch die Unterstützung der Initiative „Joblinge“ ihren lang ersehnten Ausbildungsplatz als Steuerfachangestellte gefunden. Auch die anderen TeilnehmerInnen, deren Collagen präsentiert wurden, sind nun mutig und voller Zuversicht und freuen sich über gute Aussichten auf Praktika und Ausbildungsplätze – und damit auf eine vielversprechende berufliche Zukunft.

Fotocollage von Meryem Eymur © Staatliche Museen zu Berlin & Meryem Eymur

Fotocollage von Jendrik Galonska © Staatliche Museen zu Berlin & Jendrik Galonska

Fotocollage von Mohammad Alhamoud © Staatliche Museen zu Berlin & Mohammad Alhamoud

Fotocollage von Thierno Nouhou Cherif © Staatliche Museen zu Berlin & Thierno Nouhou Cherif

Fotocollage von Muhammad Nor Khasman © Staatliche Museen zu Berlin & Muhammad Nor Khasman

Foto Infobox © Felix Seyfert


weitere Artikel