Melahat Konak präsentiert
1. März 2021

Mietschuldnerberatung: „Man kann Leben positiv beeinflussen.“

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Arbeiten bei der Gewobag: Melahat Konak ist direkt an der Schnittstelle tätig, wenn es um konstruktive Lösungsansätze bei Mietschulden für private und GewerbemieterInnen geht. Seit mehr als fünf Jahren leitet sie das Team der Mietschuldnerberatung bei der Gewobag.


Die Pandemie beeinflusst das Leben vieler Menschen unvorhergesehen und oft existenziell. Sowohl Gewerbe- als auch private MieterInnen kommen stärker als sonst in Zahlungsschwierigkeiten. Melahat Konak und ihr zehnköpfiges Team der Mietschuldnerberatung sehen sich als Krisen- und LösungsmanagerInnen. Dabei sind sie sich ihrer sozialen Verantwortung als Teil eines städtischen Wohnungsbauunternehmens bewusst. Vor allem aber macht Melahat Konak Betroffenen Mut und ist überzeugt: Der richtige Ansatz ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Frau Konak, warum hat ein städtisches Wohnungsunternehmen ein eigenes Team für die Mietschuldnerberatung?

Melahat Konak: Die Antwort liegt in der Frage. Als städtisches Wohnungsbauunternehmen haben wir einen sozialen Auftrag. In allererster Linie geht es um den Erhalt der Wohnungen für die MieterInnen und um die Wiederherstellung ihrer Zahlungsfähigkeit. Als unternehmenseigenes Team gilt es, der Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin gerecht zu werden und auch dafür zu sorgen, dass das Unternehmen wirtschaftlich und wettbewerbsfähig bleibt. Nicht zu vergessen ist, dass wir als Gewobag auch für die Stadt wichtige soziale Projekte unterstützen.

„Das Wichtigste ist, den MieterInnen Mut zu machen, sich bei uns zu melden.“

Kann man sich als MieterIn direkt an Sie und Ihr Team wenden?

Melahat Konak: Ja. Natürlich ergibt es Sinn, wenn sich der Mieter oder die Mieterin mit Zahlungsproblemen direkt an uns wendet.

Melahat Konak, Gruppenleiterin der Gewobag Mietschuldnerberatung
Melahat Konak, Gruppenleiterin der Gewobag Mietschuldnerberatung

Wie unterstützen Sie und Ihr Team genau?

Das Wichtigste ist, den MieterInnen Mut zu machen, sich bei uns zu melden. Gerade in der Pandemiezeit stecken viele Menschen in finanziell schwierigen Situationen. Mir ist wichtig, mit diesem Interview zu signalisieren: Kommt rechtzeitig auf uns zu. Viele Abläufe und Hilfen sind an bestimmte Fristen gebunden, wie Antragsstellungen bei den Ämtern oder staatliche Hilfen. Je später Anträge gestellt werden, umso später wirkt der Anspruch darauf. Und je eher sich die MieterInnen melden, umso leichter fällt es, den Rückstand in kleineren Raten zu begleichen. Wir behandeln alles diskret und nach den Vorgaben der Datenschutzrichtlinien.

Welche Auswege können Sie und Ihr Team aufzeigen?

Melahat Konak: Der erste Weg ist natürlich die Kommunikation, damit wir den Grund für die Mietrückstände erfahren. Wenn wir den kennen, können wir entsprechend passende Lösungswege aufzeigen. Beispielsweise ob staatliche Hilfen eine Möglichkeit sind oder ob wir hausintern eine Stundung oder eine Ratenzahlungsmöglichkeit anbieten können. All diese Punkte können wir aber nur nach Kenntnis der Auslöser, der finanziellen Hintergründe aufzeigen. Wichtig der Hinweis: Wir sind keine Rechtsberatung. Wir können Möglichkeiten anbieten und Wege aufzeigen.

Wie können Sie in der Pandemie-Situation mit den MieterInnen kommunizieren?

Melahat Konak: Vorwiegend über die Telefonie. Dann natürlich über den Mail-Verkehr und den Postweg. Die Einverständniserklärung zur Nutzung der Kontaktdaten der MieterInnen ist hier unabdingbar. In Ausnahmesituationen, wenn kein anderer Kontaktweg möglich ist, sind wir auch über den persönlichen Kontakt – unter Einhaltung aller Hygieneregeln – aktiv.

Was bringen Sie und Ihr Team mit, um MieterInnen in Krisensituationen beraten zu können?

Melahat Konak: Die Voraussetzungen sind vor allem die miet- und sozialrechtlichen Kenntnisse, eine hohe soziale Kompetenz und starke Kommunikationsfähigkeit. Wichtig sind diese Faktoren, um zum einen den passenden Lösungsweg aufzeigen und zum anderen Menschen erreichen zu können, die sich in Krisensituationen befinden. Eine finanzielle Krise kann nicht abgekoppelt von einer schwierigen Situation auf persönlicher Ebene betrachtet werden. Daher muss gegenseitiges Vertrauen aufgebaut werden. Wir können nicht jedem identische Lösungsmöglichkeiten anbieten, das ist individuell – wie die Mietschuldengründe eben auch.

Wie groß ist das Team der Mietschuldnerberatung bei der Gewobag?

Melahat Konak: Wir haben zehn MietschuldnerberaterInnen, die im operativen Geschäft für den Bestandsbereich der Gewobag zuständig sind. Natürlich arbeiten wir nach bestimmten Parametern, die uns vorgegeben und hausintern geregelt sind.

„Denn ganz klar ist: Wir können nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten Die MieterInnen müssen mitwirken.“

Wie wichtig sind innerhalb des Teams Schulungen und Weiterbildung, um bei den sensitiven Themen der Mietschuldenberatung adäquat unterstützen zu können?

Melahat Konak: Wir können nur Wege anbieten, Auswege aufzeigen, wenn wir den aktuellsten Kenntnisstand haben. Was ich jedes Jahr immer wieder initiiere, sind Kommunikations-Coachings. Wir müssen an die MieterInnen herankommen, die sich in Krisensituationen befinden und oftmals den Kopf in den Sand stecken. Wir versuchen ihnen dabei zu helfen, aus dieser Situation wieder herauszufinden. Denn ganz klar ist: Wir können nur Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die MieterInnen müssen mitwirken. Deshalb sind die Kommunikations-Skills sehr wichtig. Zusätzlich wird das Team zu Rechtsthemen wie Sozial- und Mietrecht auf den neusten Stand gebracht.

Der wichtigste Ratschlag für MieterInnen, die in Zahlungsverzug kommen?

Melahat Konak: Dass sie sich so schnell wie möglich bei uns melden. Wir haben auch MieterInnen, die sich bereits präventiv wegen akuter Zahlungsschwierigkeiten mit uns in Verbindung setzen. Das ist sehr gut, um effektiv und zeitnah an der für diese MieterIn richtigen Lösungsmöglichkeit zu arbeiten. Und letztendlich wichtig, um einer möglichen Kündigung entgegenzuwirken und automatisierte interne Prozesse aufzuhalten.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Melahat Konak: Ich glaube, dass ich da auch für mein Team spreche: Zu sehen, dass man auf Lebenssituationen und Menschen, die sich in schwierigen Situationen befinden, positiv einwirken kann. Man kann Leben positiv beeinflussen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Aurelio Schrey, Maren Schulz

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der Corona-bedingten Vorschriften wurden für den Beitrag Archiv-Bilder verwendet.


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