Ein in einen Bauzaun gehülltes Haus. Der Himmel ist strahlend blau.
15. März 2022

Modernisierung in Prenzlauer Berg

Zentralheizungen, neue Balkone und Fassaden – über 100 Modernisierungs- und Instandsetzungsprojekte befinden sich derzeit bei der Gewobag in der Bearbeitung, mit kleinen und größeren Herausforderungen. Heute besuchen Modernisierungsexperten der Gewobag mit Vorstandsmitglied Snezana Michaelis zwei Baustellen in Prenzlauer Berg.


Ein Gruppenfoto: v. l. n. R. Sören Kröner, Pavel Videv, David Blömer, Ines Schenke, Heino Bertram, Ronald Voigt, Sebastian Schweiger, Snezana Michaelis, Frank Schimrigk, Traute Blanck, Nancy Baltruschat
Die Modernisierungsexperten der Gewobag vor der Baustelle Raumerstraße 9.

Am beliebten Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg reihen sich die charakteristischen Häuser aus der Gründerzeit aneinander. Nur in der Raumerstraße 9 wird der Blick auf den malerischen Altbau verwehrt – noch!

Seit 2020 wird das Eckhaus, Jahrgang 1890, komplex modernisiert und saniert. Was wird genau gemacht? „Die Gewobag baut im Dachgeschoss sieben neue Wohneinheiten und setzt 26 instand, erneuert unter anderem die Versorgungsstränge und errichtet eine zentrale Fernwärme-Heizungsanlage im Keller. Zur energetischen Optimierung werden außerdem neue Fenster sowie Heizkörper verbaut“, erklärt Projektleiter Sebastian Schweiger vor dem Eingang des Objekts.

Der Aufstieg in die sechste Etage beginnt, Baustrahler weisen den Weg durch das Treppenhaus. Im luftigen Dachgeschoss riecht es nach frischem Holz und Beton. Die Handwerker bringen Tür- und Fensterrahmen in Position, der Ausbau soll bis September fertig sein. Über dicke Bretter wagt so manch einer den Schritt auf das Außengerüst. Hier entstehen Dachterrassen mit tollem Blick über den Helmholtzkiez. Solche Wohnungen sind in Berlin enorm gefragt.

Corona-Pandemie sorgt für Probleme auf den Baustellen

Vor dem Grundriss-Plan verschafft sich Snezana Michaelis einen Überblick über die Modernisierungsmaßnahmen. „Die Sprache der Baumenschen ist der Plan“, sagt die gelernte Bauingenieurin. Und sie hat Fragen, will mehr über die Herausforderungen auf der Gewobag-Baustelle erfahren. „Bedingt durch die Corona-Pandemie wurden die Firmen mit Kapazitäts- und Lieferengpässen konfrontiert, dadurch entstand eine Bauverzögerung von mehreren Monaten. Zudem entstanden durch außergewöhnliche Materialpreiserhöhungen zusätzliche Kosten“, erklärt Projektleiter Sebastian Schweiger. Steigende Baupreise, zu wenig Personal und dadurch auch rechtliche Fragen bei den Verträgen der Auftragnehmer sorgen für Probleme auf den Baustellen.

Frau Michaelis schaut auf einen Plan, der an einer Wand befestigt ist. Darauf ist der Grundriss einer Wohnung zu finden.
Bauingenieurin und Gewobag-Vorstand Snezana Michaelis schaut sich den Grundriss genau an.

Für Snezana Michaelis eine gute Gelegenheit, die eigene Arbeit bei den Bauprojekten zu reflektieren. „Wo haben unsere Prozesse nicht gegriffen, wo können wir besser werden und was können wir daraus lernen“, schwört sie ihre KollegInnen der Gewobag ein.

Der Plan für die Raumerstraße 9 steht: Bis Ende Mai 2023 sollen die Modernisierungsmaßnahmen abgeschlossen sein und die MieterInnen ziehen wieder zurück in ihre schöne, sanierte Altbauwohnung oder in den Neubau und läuten den Sommer über den Dächern von Pankow ein.

Modernisierung: Gewobag renoviert die Gaudystraße 18 in Prenzlauer Berg

Eine Gruppe von Gewobag-Mietarbeitern stehen vor einem Haus. Hierbei handelt es sich um ein Modernisierungsprojekt der Gewobag.
Die zweite Station der Baustellenbegehung: die Gaudystraße 18. 

Vor dem Kiez-Café „Ewig Freunde“ gibt es erstmal eine kurze Kaffeepause. Im September 2021 ist das Geschäft in eine der insgesamt drei Gewerbeflächen im Erdgeschoss eingezogen. Die alten und neuen BewohnerInnen können sich schon jetzt auf schöne Kaffee- oder Teestunden direkt vor der eigenen Mietwohnung freuen.

Über die Schönhauser Allee geht es zum nächsten Modernisierungsprojekt, der Gaudystraße 18. Das Haus aus dem Jahr 1906 ist in unmittelbarer Nähe des Jahnsportparks und der Max-Schmeling-Halle. Im Innenhof wartet bereits Projektleiterin Carola Radebach und präsentiert die neuen Balkone, die an den Quergebäuden und am Seitenflügel angebaut wurden. „Im Zuge der Modernisierungsarbeiten haben wir massive Schäden an den Holzbalkendecken entdeckt, mussten die Decken in den Bad- und Küchenbereichen aufmachen und die Balken erneuern“, erklärt sie. Derzeit setzt die Gewobag in den Wohnungen Fußböden, Fenster und Türen instand und modernisiert die Bäder.

Milieuschutz wirkt sich auf Baupläne aus

Über abgedeckte Treppenstufen und offene Böden geht es durch die Stockwerke. Manch kleine Kammer, in der ein Bad entstehen soll, sorgt für allgemeines Kopfschütteln. „Durch den Milieuschutz sind Grundrissänderungen nicht immer möglich. Daher bleiben auch nach der Modernisierung manche Bäder mit nicht einmal 90 Zentimetern Breite so eng, dass wir eine Durchgangsdusche einbauen müssen. Man geht dann durch die Dusche zum WC“, erklärt die Projektleiterin. Unverständnis auch bei Snezana Michaelis: „Wenn es beim Milieuschutz doch darum geht, unsere älter werdende Gesellschaft nicht aus ihren Wohnungen zu verdrängen, ist das der falsche Weg.“ Schließlich wolle die Gewobag in Berlin doch langfristig nutzbare, zeitgemäße Wohnungen vermieten.

Eine Wohnung, die sich aktuell in der Modernisierung befindet. Hier ist die komplette Tapete entfernt.
Die Wohnungen in der Gaudystraße 18 werden saniert und modernisiert.

Die Gewobag ist Eigentümerin von vielen Wohnungen und Gebäuden, die unter Denkmal- oder Milieuschutz stehen. Ines Schenke ist Abteilungsleiterin Bestandsinvestition und hat als solche Erfahrung mit den Genehmigungsprozessen der beteiligten Behörden. „Man sollte immer eine gute Idee für die Bauprojekte dabeihaben, dann bewegt sich manchmal auch etwas“, sagt die Altbau-Expertin.

Wieder im Erdgeschoss angelangt, bedankt sich Snezana Michaelis bei den Projektteams und KollegInnen. Sie muss weiter. Die nächste Baustelle kommt bestimmt.

Fotos © Harry Schnitger


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