Blick auf mehrere Neubauten des Bauprojekts WATERKANT in Berlin-Spandau. Im Vordergrund die Oberhavel. Von dessen Ufer erhebt sich die städtebauliche Anlage.
17. Januar 2022

Die Zeichen stehen auf Neubau

Das Neubauprogramm der Gewobag läuft auf Hochtouren. Die Herausforderungen sind – nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie – enorm. Der Druck auf die Branche nimmt zu. Ein Ausblick auf das Baujahr 2022.


Nancy Baltruschat sitzt auf einem Stuhl und lächelt in die Kamera.
Nancy Baltruschat ist Abteilungsleiterin Neubau im Bereich Technik.
Foto © Maren Schulz

Ein Rückblick auf 2021? Aus Nancy Baltruschat sprudeln die Zahlen nur so heraus: „Insgesamt 1.425 Wohnungen wurden seit Beginn der Neubauoffensive bis zum 31. Dezember 2021 auf eigenen oder eingebrachten Grundstücken fertiggestellt“, zählt die Abteilungsleiterin Neubau im Bereich Technik bei der Gewobag auf. „1.194 Wohnungen sind im Bau, weitere rund 1.800 Wohnungen befinden sich in der Vorbereitung oder Baurechtschaffung.“ Der Begriff „Baurechtschaffung“ bezeichnet den Prozess rund um die Erstellung eines Bebauungsplans.

„Der Bausektor ist bisher weitergelaufen, als gäbe es keine Pandemie.“

Nancy Baltruschat, Abteilungsleiterin Neubau im Bereich Technik

Außer Nancy Baltruschat hat sich noch Michael Klußmann bei dem digitalen Austausch zugeschaltet. Der Projektentwicklungsmanager bei der Gewobag EB arbeitet mit externen Bauträgern zusammen. Viel Zeit hat er nicht, er muss in der Lichtenberger Rhinstraße noch 256 Wohnungen abnehmen. Wie die Weihnachtspause war? „Kurz. Das beauftragte Bauunternehmen hat quasi durchgearbeitet.“

Corona-Pandemie verlangsamt die Genehmigungsverfahren

Michael Klußmann sitzt an einem Tisch und lächelt in die Kamera.
Michael Klußmann ist Projektentwicklungsmanager bei der
Gewobag EB.
Foto © Felix Seyfert

Die Gewobag EB, als Tochtergesellschaft unter anderem für die Beteiligungen an Projektentwicklungsgesellschaften zuständig, zieht mit der Muttergesellschaft an einem Strang, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: zusätzlich zu den jetzt im Bestand vorhandenen rund 73.000 Wohnungen bis 2026 weitere 10.000 bezahlbare Wohnungen neu zu bauen. Das Ziel scheint machbar, trotz Corona. „Der Neubau ist bisher weitgehend weitergelaufen, als gäbe es keine Pandemie“, sagt Nancy Baltruschat. Die Hygienekonzepte hätten funktioniert, geltende Regeln wurden eingehalten. „Natürlich mussten wir umdenken.“ Die Belegschaft ist noch immer weitestgehend im mobilen Arbeiten, neue Formate für Videobesprechungen wurden entwickelt. Auf den Baustellen wurden zusätzliche sanitäre Einrichtungen für die Bauarbeiter geschaffen und größere Container aufgestellt, um mehr Abstand bei Besprechungen einhalten zu können.

„Die Preise für Baumaterialien steigen massiv. Den Preisdruck werden wir 2022 deutlich spüren.“

Michael Klußmann, Projektentwicklungsmanager bei der Gewobag EB

Lieferengpässe bei Baumaterialien belasten Baubranche

Auch der Bereich von Michael Klußmann hat durch Corona weniger gelitten, als man annehmen würde. Für 2022 aber ist er skeptischer. Zur Herausforderung dürften die Lieferengpässe bei Baumaterialien werden, etwa bei Stahl und Holz. Die Preise sind aufgrund dessen schon massiv gestiegen. Dazu kommt die Inflation. „Den Preisdruck werden wir in diesem Jahr deutlich spüren“, da ist sich Michael Klußmann sicher. Für die Bauträger befürchtet er gar existenzielle Schwierigkeiten aufgrund von Kalkulationen, die angesichts der neuen Preise nicht mehr aufgehen. „Wir werden uns überlegen müssen, wie wir gemeinsam mit den Unternehmen, die für uns tätig sind, die steigenden Preise abfangen“, so der Projektentwickler. Seine Hoffnung: „Es gibt erste Anzeichen, dass sich die Preise zumindest stabilisieren.“

Neubauprojekte der Gewobag 2022

Für 2022 hat Michael Klußmann einiges in der Pipeline. Nach den bereits erwähnten 256 Wohnungen werden in Kürze weitere 60 Wohnungen in der Rhinstraße abgenommen, außerdem zwei Gewerbeeinheiten. Geplant ist weiterhin der Baubeginn für 730 Wohnungen in der Landsberger Allee sowie für 255 Wohnungen in der Wendenschloßstraße in Köpenick, dort entstehen außerdem ein Pflegeheim, ein Boardinghouse und eine Kita.

Michael Klußmann hofft auf die zügige Festsetzung des Bebauungsplans in der Ludwig-Quidde-Straße in Pankow, wo insgesamt 300 Wohnungen für die Gewobag entstehen sollen. Im gleichen Bezirk, an der Schönerlinder Straße, hat die Gewobag Grundstücke gekauft, die sie gemeinsam mit einem Entwicklungspartner bebauen möchte. Die Rahmenplanung wurde vom Bezirk angestoßen, im vergangenen Herbst fand ein Bürgerbeteiligungsverfahren statt. Geplant sind Geschosswohnungsbauten sowie Reihenhäuser, Kleingewerbe, eine Schule und eine Kita. Klimafreundliche Energiebereitstellung ist Standard, in der Regel kommen bei solchen Projekten neben Photovoltaik auf den Dächern Blockheizkraftwerke zum Einsatz, die nachhaltig Wärme und Strom produzieren, auch für E-Autos und E-Bikes.

WATERKANT Berlin: Gewobag denkt Mobilitätskonzepte mit

Ein mit bunten Bändern geschmückter Richtkranz in Form eines blauen Ankers fliegt an einem Haken befestigt durch die Luft. Im Hintergrund sind die Oberhavel, die Spandauer Seebrücke und Teile von Berlin-Spandau zu sehen.
Anker lichten an der WATERKANT Berlin: Mit diesem besonderen Richtkranz feierte die Gewobag im November 2021 Richtfest für 58 neue Wohnungen.
Foto © City-Press

Die Mobilität der künftigen MieterInnen ist neben der Energie ein zentrales Thema. Dazu zählen Parkplätze, Carsharing und Fahrradstellplätze, aber auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, wie Nancy Baltruschat betont. In Spandau, wo die Gewobag derzeit mit der WATERKANT Berlin einen neuen Stadtteil baut, wird das gerade sichtbar. Rund 2.500 Wohnungen entstehen dort, und zwar sehr schnell. Mehr als ein Drittel ist schon fertig. In diesem Jahr sollen weitere 619 Einheiten und ein Rewe-Supermarkt übergeben werden. Am Bebauungsplan für die dann noch fehlenden rund 1.000 Wohnungen wird gearbeitet. Das Quartier ist über Busse an die Innenstadt angeschlossen, die am U-Bahnhof Haselhorst halten. „Das funktioniert gut“, sagt Baltruschat. „Noch.“ Denn der Großteil der MieterInnen sei ja noch gar nicht eingezogen. „Die Frage, wie die öffentliche Nahverkehrsplanung angepasst wird, wenn das Quartier weiterwächst, wird derzeit von der zuständigen Senatsverwaltung geprüft.“ Eine Antwort für die Zeit bis dahin ist die Jelbi-Station an der Spandauer Havelpromenade. Jelbi ist ein Mobilitätsprojekt der Gewobag in Kooperation mit der BVG. An der Station werden verschiedenste Mobilitätsangebote wie Carsharing, Roller, Leihfahrräder von Nextbike aber auch E-Tretroller gebündelt. Über eine App können die Mobilitätsangebote gebucht und mit anderen Verkehrsmitteln kombiniert werden.

Auch Themen wie Brand- und Klimaschutz werden wichtiger, in der Quartiersplanung wie am Bau. Seit 2015 werden Fassaden der Gewobag nur noch mit mineralischen Dämmstoffen gedämmt. Regenwasser lässt die Gewobag versickern, versiegelt wird nur dort, wo es unvermeidbar ist. Alle Gebäude müssen mindestens dem Niedrigenergiestandard KfW 55 entsprechen, absehbar werden die Anforderungen noch höher.

Michael Klußmann, der auch schon als Sachverständiger für nachhaltiges Bauen tätig war, verweist darauf, dass mit den Anforderungen an den Energiestandard auch die Baukosten steigen. Und die seien derzeit sowieso schon sehr hoch. Eine Folge: Die Preisbindungsfristen der beauftragten Unternehmen werden kürzer. Damit werden auch die Planungen unsicherer, und der Druck auf die Projektentwickler nimmt weiter zu. Da bleibt zu hoffen, dass ihnen wenigstens ein weiterer Corona-Lockdown erspart bleibt. Den letzten hat Nancy Baltruschat in schmerzlicher Erinnerung. „Sehr vermisst“ habe sie das persönliche Miteinander, die Gespräche auf dem Flur, in den Pausen. Michael Klußmann nickt. „Trotzdem haben wir viel gelacht“, ergänzt sie. Und: „Die Freude am Job haben wir uns nicht nehmen lassen.“

Eine Übersicht über alle Bauprojekte der Gewobag findet sich hier.

Titelfoto © Andreas Schwarz


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