Karen Stuke stayathome
28. April 2021

#stayathome: Die Karl-Marx-Allee steht Kopf

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Die Fotografin Karen Stuke ist seit 20 Jahren in der Karl-Marx-Allee zu Hause und hat die Allee zwischen Fernsehturm und Frankfurter Tor seit Beginn des ersten Lockdowns mit ihrer Camera obscura abgebildet: experimentell und seitenverkehrt.


Wenn Karen Stuke aus ihrem Fenster im sechsten Stock schaut, kann sie die Flagge auf dem Roten Rathaus sehen und einen Baum, der von Jahr zu Jahr dichter wird. Ihre Wohnung gehört zum Block C Süd in der Karl-Marx-Allee, der 2019 von der Gewobag übernommen worden ist. Dem waren AnwohnerInnenproteste vorausgegangen, um eine Übernahme durch die Deutsche Wohnen zu verhindern. Mit Beginn der Pandemie hat Karen Stuke gezwungenermaßen ihr Zuhause zum kreativen Rückzugsort und fotografischen Set umfunktioniert.

Karen Stuke wohnt in der Karl-Marx-Allee.
Karen Stuke in ihrem Kiez, der Karl-Marx-Allee. Foto © Jörg Dedering

Karen Stuke, können Sie die Camera obscura für einen Laien erklären?

Karen Stuke: Sie funktioniert wie ein großes Auge. Man verdunkelt einen Raum und macht zum Beispiel ein kleines Loch in die Pappe am Fenster. Das ist dann die Linse, die Pupille. Dabei kann man ausrechnen, wie groß das Loch im Verhältnis zum Raum sein muss, damit die Projektion scharf wird.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie die Idee zu der fotografischen Serie #stayathome hatten?

Karen Stuke: Als im ersten Lockdown alles zugemacht hatte, habe ich ziemlich schnell angefangen, mich künstlerisch mit dem Thema „zu Hause bleiben“ zu beschäftigen. Auch war es für mich durch meine Arbeit mit der Camera obscura kein neues Thema, dass man Räume schafft, wo die Außenwelt seitenverkehrt ist und auf dem Kopf steht.

Die Wohnung von Karen Stuke an der Karl-Marx-Allee.
Aus der Serie #stayathome: In der Wohnung von Karen Stuke steht die Außenwelt auf dem Kopf.

Welche Bedeutung haben die Projektionen von der Karl-Marx-Alle in die Innenwelt Ihrer Wohnung?

Karen Stuke: Mir ging es darum, mich damit auseinanderzusetzen, wo ich wohne und warum ich hier wohne. Während der Proteste gegen die mögliche Übernahme durch die Deutsche Wohnen vor zwei Jahren ist mir das noch stärker bewusst geworden – und durch die Pandemie erst recht. Als ich vor Kurzem zu meinem Auto lief, sah ich rechts auf das Frankfurter Tor und links auf den Fernsehturm – und da war er, der entscheidende Gedanke: Du bist genau da, wo du sein willst.

Welche Pläne gibt es für die Rückkehr zum „normalen Leben“?

Karen Stuke: Ich hoffe, dass viele abgesagte Aufträge wieder reinkommen und abgesagte Ausstellungen stattfinden. Meine Bilder sind im letzten Jahr oft zu Ausstellungen ins Ausland gereist. Sie sind mehr gereist als ich.

Wann und wo sind die Arbeiten von #stayathome zu sehen?

Karen Stuke: Aktuell im Kunstmuseum Bochum, im Juni in Dortmund beim „f2 Fotofestival“ und danach bei einer Ausstellung in Rumänien.

Ihre Wünsche für den Sommer 2021?

Karen Stuke: Es ist fast profan zu sagen, dass alles wieder normal sein sollte.Ich bin da ganz weltlich und hoffe, dass meine Eltern gesund bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Fotos © Karen Stuke, Felix Seyfert


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