Raus aus dem Aufzug, rein in die Kunst – das war einer der Ansätze von „WIR SIND HOCH“, einem Projekt im Spannungsfeld zwischen Kunst und Quartiersentwicklung, das die Gewobag überaus gern unterstützt hat. Die Grundidee, Bilder von und mit den Bewohnerinnen und Bewohnern direkt in Hausfluren Hanns-Eisler-Straße 2 und 4 entstehen zu lassen, mag simpel klingen, war in der Umsetzung jedoch mit zahlreichen Herausforderungen verbunden.
Ein großer Dank geht daher nicht nur an die Künstlerin Valentina Sartori, der es mit ihrem großen Engagement gelungen ist, bemerkenswerte Kunstwerke zu erschaffen, sondern auch an die Mieterinnen und Mieter des Mühlenviertels in Prenzlauer Berg, die sich auf das Projekt eingelassen haben.

Porträtmalerei im Hochhaus: ein zweijähriger Dialog
Über knapp zwei Jahre malte die Künstlerin Valentina Sartori die BewohnerInnen der Hochhäuser Hanns-Eisler-Straße 2 und 4 direkt auf den Etagen. Entstanden sind 37 Bilder, die die Vielfalt der Bewohnerschaft zeigen, zugleich aber auch den gegenseitigen Austausch förderten. Die Werke samt ihren Geschichten sind in einem Kunstkatalog festgehalten, der hier kostenlos heruntergeladen werden kann.
Für die Bilder gilt dabei Ähnliches wie für die Häuser selbst: Erst durch die Menschen, die sie mit Leben füllen, werden sie zu dem, was sie sind – andernfalls wären sie nur leere Leinwände und Hüllen. Auch deshalb waren die beteiligten Personen bei der Gewobag auf Anhieb von „WIR SIND HOCH“ begeistert: weil es bei dem Projekt um weit mehr ging als die Verschönerung von Hausfluren, nämlich darum, die Vielfalt der Bewohnerschaft abzubilden, den gegenseitigen Austausch zu fördern und das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
„WIR SIND HOCH“ zeigt exemplarisch, welch verbindende Kraft Kunst entfalten kann. Das gilt einerseits für den Entstehungsprozess, der eine Art kommunikatives Gesamtkunstwerk darstellt, andererseits aber auch für die fertigen Bilder, durch die den BewohnerInnen gewissermaßen ein Denkmal gesetzt wurde. Die Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen, Biografien, Plänen und Träumen haben den Häusern im wahrsten Sinn des Wortes ein Gesicht gegeben. Durch das Projekt sind die MieterInnen und ihr Alltag zum sichtbaren Teil der Gebäude geworden. Ein künstlerischer Akt, der die Identifikation mit dem Wohnumfeld nachhaltig fördern kann.

Ohne den leidenschaftlichen Einsatz von Valentina Sartori – eine freischaffende Künstlerin aus Prenzlauer Berg, die bereits 2018 ein Projekt in einer Unterkunft für Geflüchtete in der Storkower Straße und in der KulturMarktHalle im Mühlenviertel realisiert hat – wäre das alles nicht möglich gewesen. Sie ist dabei nicht nur als Malerin in Erscheinung getreten, sondern auch als Kommunikatorin.
Ihr Credo: „Die Kunst bringt die Mieterinnen und Mieter des Hauses zusammen, sie verbindet sie als Hausgemeinschaft, sie lädt sie dazu ein, miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Eine Überzeugung, die sich im Lauf des Projekts bewahrheiten sollte. Anfängliche Skepsis einiger BewohnerInnen verwandelte sich im Prozess in Neugier, Interesse und letztlich in die Bereitschaft zum Mitwirken. Ein ganz herzlicher Dank gebührt in diesem Zusammenhang auch den involvierten Mitgliedern des Mieterbeirats, die das Vorhaben unterstützt haben.

Dass ein Projekt wie „WIR SIND HOCH“ überhaupt realisiert werden kann, ist nicht zuletzt den finanziellen Förderern zu verdanken. Eine der „Möglichmacherinnen“ war dabei Rona Tietje, zum Zeitpunkt der Projektanbahnung Pankower Stadträtin für Jugend, Wirtschaft und Soziales, heute Bezirksstadträtin für Jugend und Familie.
Einen weiteren wichtigen Baustein lieferten die Mittel der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zur Förderung von „Freiwilligem Engagement In Nachbarschaften“, kurz FEIN. Nicht zu vergessen: Auch die Quartierskoordination, die KundenberaterInnen und HauswartInnen der Gewobag haben zum Gelingen beigetragen. Ein Beispiel, das zeigt: Im Zusammenspiel von unterschiedlichen Instanzen, AkteurInnen und Mitteln liegt enormes Potenzial.
Die digitale Publikation bildet den offiziellen Abschluss des Projekts, ihr Zweck ist jedoch gegenteiliger Natur. Der Katalog soll dazu beitragen, dass „WIR SIND HOCH“ auch außerhalb der Häuser in der Hanns- Eisler-Straße wahrgenommen wird und in Zukunft „weiterlebt“. Als Erinnerung an das, was war – und als Inspiration für künftige ähnliche Vorhaben.
Grußwort von Kai Buchholz
Leiter Team Prenzlauer Berg Nord
Gewobag Wohnungsbau-Aktiengesellschaft Berlin
Fördernde Instanzen:
