Vom Eigenen-Weg-Finden und Lernen bei der Gewobag

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Seit August sind die neuen Auszubildenden im Unternehmen. Wie ist es eigentlich, ganz neu in einem Unternehmen mit mehr als 700 MitarbeiterInnen zu sein – und wie ist es auf der anderen Seite, die Ausbildung schon abgeschlossen zu haben und im Unternehmen angestellt zu sein? Können sich auf diesem Weg Wünsche und Ziele verändern? Wann weiß man, dass man sich für den richtigen Beruf mit Perspektive entschieden hat?


Ein Gespräch mit Hannah Franke und Mariele Lübker

Hannah Franke (17 Jahre) ist eine der neuen Auszubildenden, die gerade ein paar Wochen im Unternehmen sind. Sie hat eine Ausbildung zur Immobilienkauffrau angefangen. Mariele Lübker (22 Jahre) kann sich seit August Immobilienkauffrau nennen und arbeitet jetzt bei der Gewobag VB / Miethausverwaltung. Vor vier Jahren hatte es Mariele Lübker nach ihrem Abitur von Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin gezogen, weil sie hier die Angebote an Ausbildungsmöglichkeiten und Universitäten unglaublich vielfältig fand. Hannah kommt aus Berlin-Kaulsdorf und wohnt noch bei ihren Eltern. Direkt nach ihrem MSA hat sie sich für eine Ausbildung bei der Gewobag entschieden.

Hannah Franke macht eine Ausbildung bei der Gewobag.
Hannah Franke lernt seit August 2020 Immobilienkauffrau bei der Gewobag.

Wie sind Sie für Ihre Ausbildung zur Gewobag gekommen?

Hannah: Ich habe mich umgeschaut, welche Firmen den Ausbildungsberuf der Immobilienkauffrau anbieten und bin übers Internet auf die Gewobag gekommen. Ich fand die Website sehr ansprechend, übersichtlich, mit vielen Informationen und sehr bunt. Dann war da auch der Geburtstagssong zum 100. Geburtstag der Gewobag drauf. Den Song fand ich total cool. Und dann habe ich mich beworben. Das Bewerbungsgespräch in einem großen Assessment-Center war toll.

Mariele: Ich habe auch wie Hannah übers Internet recherchiert, zuerst auf der IHK-Seite geschaut. Die haben eine sehr gute Übersicht über Unternehmen, die eine spezifische Ausbildung anbieten.

Ausbildung oder Studium?

Warum haben Sie sich für den Beruf der Immobilienkauffrau entschieden?

Hannah: Ich hatte lange Zeit gar keine Idee. Es sollte schon was Kaufmännisches sein. Erst wollte ich Luftverkehrsfrau am Flughafen werden. Habe mich aber wegen des Schichtsystems dagegen entschieden. Dann habe ich mich richtig informiert, weil ein Freund von mir auch Immobilienkaufmann lernt – und das hat mich so begeistert, dass ich mich damit auseinandergesetzt habe. Ausschlaggebend war für mich die Abwechslung und die Vielseitigkeit des Berufs. Ich merke das jetzt schon. Ich bin noch gar nicht lange hier und wir durften schon so viel machen. Im Büro bearbeiten wir die Zählerstände, geben schon Aufträge auf. Draußen vor Ort waren wir schon bei Bauabnahmen dabei. Am spannendsten fand ich bisher die sogenannten „Toten-Wohnungen“. Das sind Wohnungen, wo leider jemand verstorben ist und die leestehend sind. Oder auch bei der Unterzeichnung von Mietverträgen dabei zu sein. Ich finde es total schön, sich mit Mietern auseinanderzusetzen.

Mariele Lübker hat ihre Ausbildung 2020 beendet.
Mariele Lübker hat ihre Ausbildung 2020 beendet.

Mariele: Ursprünglich hatte ich nach meinem Abi angefangen zu studieren. Ich hatte nicht so richtig Zeit, mir was zu überlegen und gedacht: Okay, du hast Abi gemacht, dann musst du auch studieren. Dann habe ich angefangen auf Lehramt zu studieren. Aber das System Studium war nichts für mich. Ich habe mich da etwas verloren gefühlt. Und dann habe ich für mich entschieden, etwas Anderes zu machen. Ich habe mich schon immer für Architektur und Immobilien interessiert. Mein Opa war Bauingenieur, da habe ich schon viel mitbekommen. Er hatte auch ein paar Immobilen, die er selber verwaltet hat. in den Ferien konnte ich ihm dann schon ein bisschen über die Schulter schauen und habe ab und zu mitgeholfen. Und dann habe ich gedacht: Ja, warum eigentlich nicht Immobilienkauffrau?

Was beinhaltet der Beruf der Immobilienkauffrau überhaupt?

Hannah: Ich denke, es geht darum, die Mieter rundum zu versorgen. Es fängt bei der Besichtigung an und geht bis zur Kündigung. Man verwaltet die Wohnung, betreut die Mieter, und im Hintergrund ist natürlich die Büroarbeit, von der die Mieter gar nicht so viel mitbekommen.

Mariele: Grundsätzlich würde ich sagen, bei dem Beruf geht es komplett um das Thema Immobilien. Also die gesamte Verwaltung drum herum. Klar, die Mieterbetreuung ist ein großer Teil und auch einer der wichtigsten während der Ausbildung. Aber wir haben auch viel mit der Finanzierung von Immobilien zu tun, mit dem Bau und der Planung, natürlich auch mit Gewerbeobjekten. Man lernt sehr viel über die gesetzlichen Grundlagen. Im Prinzip gehört zu der Ausbildung alles, was im Zusammenhang mit einer Immobilie steht, mit der Vermietung, dem Verkauf und so weiter. Wenn man mit der Ausbildung fertig ist, deckt man den Bereich einmal komplett ab.

Immobilienkaufrau und Berliner Wohnungswirtschaft

Was ist für Sie an der Berliner Wohnungswirtschaft interessant?

Mariele: Also auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist natürlich die Wohnungsknappheit seit mehreren Jahren sehr präsent. Gerade als städtisches Unternehmen, als Gewobag, versucht man Wohnraum zu schaffen. Und wir gehen da ja auch immer mit einem sozialen Gedanken ran. Generell ist es ja in Deutschland und in den Großstädten so, dass Wohnungen immer knapper werden. Aber gerade in Berlin ist es wahrscheinlich nochmal ein Stück extremer. Da irgendwie ein Teil davon zu sein und auch persönlich nur einen ganz kleinen Teil mithelfen zu können, den Menschen zu helfen, das ist schon eine spannende Aufgabe.

Welche Ausbildungsinhalte haben Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Mariele: Besonders viel Spaß gemacht hat mir tatsächlich die Mieterbetreuung, dort wo wir in der Ausbildung auch die meiste Zeit verbringen. Weil man eine super Mischung zwischen Büroarbeit und Außenterminen hat. Man hat den Kontakt zu den Mietern, zu Dienstleistern, zu Kunden, zu so vielen Personengruppen. Das fand ich cool. Auf der anderen Seite fand ich auch die Bauabteilung sehr spannend. Einfach zu sehen, wie ein neues Gebäude, neuer Wohnraum geschaffen wird. Was die Mitarbeiter dort alles auf die Beine stellen, das war schon spannend zu sehen. Das waren meine Lieblingsabteilungen.

Ausbildung bei der Gewobag
Mariele Lübker und Hannah Franke in der Unternehmenszentrale der Gewobag im Berliner Spreebogen.

Ausbildung: Theorie und Praxis

Hannah, welche Vorstellungen haben Sie von der Ausbildung und dem Beruf?

Hannah: Ich bin ehrlich. Ich habe extra nicht so viele Erwartungen gehabt, ich möchte mich überraschen lassen. Ich wünsche mir, total viele Facetten kennenzulernen. Ich möchte mich durchaus auch persönlich weiterentwickeln, was die Selbstständigkeit oder die Teamfähigkeit angeht. Und natürlich möchte ich auch Spaß bei der Arbeit haben.

Was hat Sie denn bisher am meisten interessiert?

Hannah: Generell die Außentermine. Die Arbeit mit den Mietern. Ich arbeite total gerne mit fremden Menschen zusammen. Am Anfang hat es mich manchmal verunsichert, wenn manche Mieter kein Deutsch sprechen können, da habe ich mich gefragt, wie gehe ich damit um. Aber letztendlich funktioniert es immer.

Und wie sind die ersten vier Wochen Ihrer Ausbildung gelaufen?

Hannah: Ich muss sagen, relativ entspannt. Wir hatten schon viele Schulungen, was ich total toll finde. Am Montag hatte ich ein Telefontraining. Da haben wir so viele Tipps bekommen, wir haben Telefonate simuliert und man hat sein persönliches Feedback bekommen. Jetzt fühle ich mich viel sicherer beim Telefonieren, sei es extern oder auch intern.

Waren Sie nervös vor Ihrem ersten Tag? Wie wurden Sie aufgenommen?

Hannah: Ich muss sagen, gar nicht. Ich war total relaxt. Wir haben dann alles kennengelernt, das Organisatorische besprochen. Aber da ich mich schon bei dem Bewerbungsgespräch wohl gefühlt habe, war ich wahrscheinlich nicht so sehr nervös.

Mariele: Ich war damals tatsächlich sehr nervös. Ich hatte das Glück, dass ich eine Azubine, vom Bewerbungsgespräch kannte und eine Bezugsperson hatte. Und dann weiß ich noch, dass wir am ersten Tag sehr viel Input bekommen haben. Sehr viel Organisatorisches. Dann musste man lernen, sich hier vor Ort im Spreebogen zurechtfinden, rechts und links und A und B, ich habe mich zigmal verlaufen. Es war sehr viel am Anfang, das weiß ich noch, was wir alles beachten und unterschreiben mussten, Datenschutzschulung und so was alles.

Ausbildung bei der Gewobag
Geduld, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit gehören für Mariele Lübker zu den Fähigkeiten, die sie als Immobilienkauffrau täglich braucht.

Erwartungen und Realität in der Ausbildung

War die Ausbildung so, wie Sie sie sich vorgestellt haben?

Mariele: Zum Großteil schon. Aber ich wusste vorher nicht, dass man alle Abteilungen der Gewobag durchläuft, was total spannend ist. Zum einen lernt man sehr viele Mitarbeiter kennen, was total cool ist. Wenn ich heute über den Gang laufe, kenne ich eigentlich fast jedes Gesicht. Ich weiß nicht, ob die Mitarbeiter mich auch kennen oder sich an mich erinnern, aber ich kann die immer irgendwie zuordnen. Man knüpft schon während der Ausbildung total viele Kontakte. Zum anderen lernt man wirklich jeden Arbeitsbereich kennen. Das, was man in der Berufsschule durchläuft, wird dann direkt mit praktischem Hintergrundwissen vervollständigt

Was braucht man denn Ihrer Meinung nach für Fähigkeiten für diesen Beruf?

Hannah: Ich denke, man sollte nicht die schüchternste Person sein, offen für neue Menschen und neue Situationen sein. Selbstständig, aber auch gut im Team arbeiten können. Und viel Empathie mit reinstecken. Gerade die Menschen in Berlin sind sehr unterschiedlich, haben verschiedene Charaktereigenschaften, andere Bedürfnisse und jeder versteht das alles ein bisschen anders. Um darauf eingehen zu können, ist Empathie wichtig, und ja: Spaß auch.

Mariele: Hannah hat das ganz schön gesagt. Empathie ist wichtig, gerade wenn man später in der Mieterbetreuung arbeitet. Was ich auch wichtig finde, ist, dass man Geduld mitbringt, dass man stressresistent ist und dass man vor allem auch zuverlässig ist. Wenn man Entscheidungen trifft, Arbeiten ausführt, da hängt immer sehr viel dran. Es ist meistens so, dass nicht ein Prozess für sich allein abgeschlossen wird, sondern ein Prozess bedingt den nächsten. Daher sollte man verantwortungsvoll sein und zuverlässig arbeiten, sodass es hinten raus nicht zu Fehlern kommt, die dann immer größer werden. Aber wie Hannah schon gesagt hat, Selbstständigkeit und Teamfähigkeit sind sehr wichtig.

Mariele, Sie sind auch die Mentorin von Hannah, was hat es mit dem Mentoren-Programm auf sich?

Mariele: Das Mentoren-Programm dient dazu, den neuen Azubis Unterstützung zu geben. Gerade zum Start der Ausbildung. Wenn die neuen Azubis irgendeine Frage haben oder sich irgendwo verloren fühlen oder auch mal mit der einen oder anderen Person nicht ganz klarkommen, dann haben sie in ihrem Mentor eine grundsätzliche Ansprechperson, die für alle Fragen und Anliegen da ist. Es ist einfach eine grundlegende Hilfestellung, das Angebot ist im Prinzip zeitlich unbegrenzt.

Hannah wie ist es für Sie als Neue, jemanden wie Mariele an Ihrer Seite zu haben?

Hannah: Ich finde das ist eine sehr schöne Idee, da man einfach nochmal einen anderen Ansprechpartner hat als den Ausbilder. Und Mariele ist jetzt noch nicht so lange aus der Ausbildung draußen, sie ist noch viel näher an dem Thema dran, das ist dann schon was ganz Anderes. Man stellt schon ein paar andere Fragen als dem Ausbilder oder der Ausbilderin.

Und plötzlich ausgelernt und Immobilienkauffrau

Mariele, wann wussten Sie, dass Sie gern bei der Gewobag weitermachen wollten?

Mariele: Ganz am Anfang, als ich bei der Gewobag VB meine Ausbildung gemacht habe, fand ich es schon ziemlich interessant. Und je mehr Abteilungen ich durchlaufen habe, desto mehr hat sich der Gedanke gefestigt, wieder zurück in die Miethausverwaltung zu gehen. Andere Abteilungen haben mir auch viel Spaß gemacht, aber in der Miethausverwaltung gab es für mich einfach das perfekte Paket von allem. Ich fand das Team super, die Arbeit hat mir Spaß gemacht und es hat perfekt gepasst.

Lief immer alles nach Plan oder mussten Sie sich auch mal umorientieren?

Mariele: Ja klar. Man kann nicht immer mit jedem harmonieren. Manchmal funktioniert es nicht. Trotzdem muss man immer irgendwie dabeibleiben und seine Arbeit ordentlich machen. Aber es gibt natürlich auch Momente, in denen man sagt, das war heute kein guter Tag, ich habe mich nicht so wohl gefühlt oder ich habe die Arbeit nicht so gut gemacht, wie ich sie vielleicht hätte machen können.

Wie geht man damit um?

Solche Dinge passieren jedem Mal. Das muss man irgendwie abstreifen und am nächsten Tag wieder mit einem Lächeln aufstehen und es neu versuchen. Und ich hatte in meiner ersten Ausbilderin, die ich in der Miethausverwaltung hatte, immer eine gute Ansprechpartnerin, mittlerweile habe ich in ihr eine Freundin gefunden, an die ich mich bei Fragen oder Problemen wenden kann.

Hannah, was erwarten Sie persönlich von den nächsten drei Ausbildungsjahren?

Hannah: Ich würde sagen, ich möchte viele verschiedene Erfahrungen machen. Ich denke, es müssen nicht nur gute sein, wie es Mariele gerade gesagt hat. Es kann auch mal was schieflaufen, aber man lernt sich dadurch persönlich auch nochmal neu kennen. Wie gehe ich mit Problemen oder unerwarteten Situationen um. Ich erwarte von meiner Ausbildung, dass ich danach viel gefestigter bin und einen Plan habe, wie ich weitermachen möchte. Ich freue mich schon darauf.

Ausbildung bei der Gewobag
Hannah Franke (3. v. l.) mit den anderen neuen Azubis bei einem ihrer ersten Workshops bei der Gewobag.

Hannah, haben Sie schon einen Wunsch, wo es Sie nach Ihrer Ausbildung hinführen soll?

Hannah: Ich muss sagen, in der Abteilung, wo ich gerade bin, im Bestandsmanagement, fühle ich mich schon sehr wohl. Hier mache ich, glaube ich, die Hauptaufgaben einer Immobilienkauffrau, hier geht es um die Mieter. Ich bin mal gespannt, wie es in den anderen Abteilungen wird.

Mariele, was ist der Unterschied, wenn man plötzlich jeden Morgen wie Sie als Immobilienkauffrau ins Unternehmen kommt? Gibt es da so etwas, wenn man zur Arbeit geht und denkt: Irgendwas ist jetzt anders?

Mariele: Auf jeden Fall ist anders, dass die Verantwortung jetzt bei mir liegt. Jetzt bin halt ich für meine Arbeiten verantwortlich. Ich würde schon sagen, dass man am Anfang kurz nach der Ausbildung noch ein bisschen Welpenschutz hat, aber trotzdem geht es jetzt richtig los mit dem Arbeiten. Jetzt bin ich halt diejenige, die den ganzen Prozess mitbegleitet. Es ist einfach viel mehr Verantwortung und eine viel größere Aufgabe, die man jetzt bekommen hat. 

Mariele, haben Sie einen Tipp für die Neuen, die gerade angefangen haben?

Mariele: Ich glaube, der beste Tipp, den mir damals jemand gegeben hat, war: mitschreiben. So blöd es sich anhört, aber gerade am Anfang, wenn man in die neuen Programme eingewiesen wird, von denen man vorher noch nie was gehört hat, wenn man da nicht mitschreibt, ich verspreche es, vergisst man es definitiv. Und ansonsten würde ich sagen, dass man sich manche Sachen nicht zu sehr zu Herzen nehmen darf. Manche Sachen passieren. Jeder macht mal Fehler, dafür ist man ja in der Ausbildung. Daraus lernt man auch. Mein Papa hat immer gesagt: Ein Fehler ist erst ein Fehler, wenn man ihn das zweite Mal macht. Von daher: einmal ist völlig in Ordnung.

Photos © Felix Seyfert